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RTI: Vergleich von Zwei Gürtelsegmenten aus dem 16 Jahrhundert

Für interaktive Lichtsimulation und Vergrößerung bitte zunächst auf die Glühbirne klicken, dann kann mit dem Mauszeiger der Lichteinfall verändert werden; zoomen mit den +/- Zeichen am Rand. (oben: Kat. Nr. 47h, u.:  14)

A) Objektbeschreibung

Kurzbeschreibung: Hier handelt es sich um zwei Zierbeschläge (Kat. Nrn. 47h und 14), beziehungsweise Gürtelsegmente, umso spezifischer vermutlich Segmente von sogenannte „Brautgürteln“ oder Frauenschmuckgürteln. Das Artefakt mit dem Katalog Nummer 47h stammt aus Hilgartsberg und wurde im Zwinger gefunden zwischen 2005 und 2008 wohingegen das zweite Fundstück mit dem Katalognummer 12 a, b. in Julbach aufgegraben wurde. Konkretere Angaben zu dem Fundort und Datierung sind leider noch nicht bestätigt worden.

Gürtelsegment 47h

Wie vorher erwähnt dieses Segment wurde in Hilgartsberg, im Zwinger gefunden. Das Artefakt lässt sich in das späte Mittelalter zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert einordnen. Es besteht aus einem Metallenem Material. Gürtelsegmente wurden in verschiedenen Arten und weisen hergestellt und aus verschiedene Metallene Materialien gebastelt. Das Segmentteil hat eine länge von 6,3 cm eine Breite von 1 cm und einer Dickenmessung von 0,3 mm. Es wiegt 5,70 g. Seine Oberfläche ist Matt mit einer Kombination von geometrischen und aus der Renaissance stammenden Muster (Spiralförmige und Florale Muster). Diese Solche Dekordetails lassen sich in ihrer Symbolik mit Eigenschaften der Hochzeit und des Ehelebens in Zusammenhang stehen erkennen. Einen aus Eisen geprägtem Nagelkopf ist an der Linken Spitzen Seite zu erkennen durch den Hinter gebliebenen Reste von Rostspuren. Es ist auch erkennbar, dass die Oberfläche des Segments sehr gut erhalten geblieben ist, denn das Muster ist immer noch wunderbar identifizierbar. Es sind keine Herstellungsfehler beim gravieren vorhanden weder noch ausversehene Gravierungen oder Kratzer. Die Dekoration dieses Gürtelsegments ist nicht so ausgearbeitet wie bei richtigen Brautgürteln aus Silber aber trotzdem ist immerhin sehr raffiniert. An der rechten Seite des Artefakts erkennt man einen Metallenem Schlupfloch. An dieser Stelle wäre das Gürtelsegment an ein weiteres Segment oder an einem Kettenteil eines Gürtels befestigt sein oder andernfalls als rein dekoratives und Ornamentales Element, das von dem Gürtel hängen würde, dienen. Solche Gürtel wurden hauptsächlich nur von Frauen, egal zu welchem sozialen Status sie gehörte, als schmuck getragen. Deshalb heißen diese Gürtel „Frauenschmuckgürtel“ oder in spezifischeren fällen „Brautgürteln“. Insbesondere „Brautgürteln“ haben oft die Porträts von dem neuen Ehepaar oder Herzmotive sowohl wie auch Tauben, Figuren oder Florale Abbildungen drauf eingraviert. Nichtsdestotrotz, im Christentum bezeichnet das Herz die Liebe sowohl wie auch die Weisheit und die gemüthaften Kräfte, was im Nachhinein aber nicht direkt als klarer Nachweis eines „Brautgürtels“ verstanden werden muss. Dies bedeutet, dass so ein dergestalt dekorierter Gürtelsegment auch nur aus Zuneigung geschenkt worden sein, ohne unweigerlich als eine Heiratsabsicht zu fassen.

Für interaktive Lichtsimulation und Vergrößerung bitte zunächst auf die Glühbirne klicken, dann kann mit dem Mauszeiger der Lichteinfall verändert werden; zoomen mit den +/- Zeichen am Rand.

B) Digitalisierungsprozess

Gürtelsegment 47h

Ort, Zeit, Beteiligte: Universität Passau, Digital Humanities Labor (HK14b), am 30.07.2018 10:00 Uhr durch Anastasia Ederer

Equipment: Canon EOS 6D, Objektiv: 50 mm Festbrennweite, Kamera-Objekt Entfernung ca. 23 cm.

RTI-Aufnahmemethode: Benutzung von RTI-Drehteller mit LED Lampenarm um das Objekt zu Beleuchten. Gebrauch von zwei RTI-Referenzkugel mit einem Durchmesser von 10 mm. Auf einer Reprostation mit Stativ zur Kamerapositionierung und ‑Fixierung aufgebaut. Ein USB-Kabel wurde verwendet um die Verbindung von Kamera und PC zu schaffen.

Aufbau: Kameraposition fixiert 90° Grad über dem Objekt an Reprogerät, Unterlage mit RTI-Hilfskreisschema zur Orientierung/Lichtpositionierung.

Aufnahmesituation: Der Raum würde in dem Prozess vollständig abgedunkelt.

Kameraeinstellungen:

Modus: Autofokus

Datenformat: JPEG  Auflösung: 72 dpi / 5472 x 3648 Pixel
Belichtung: ISO 100, Brennweite 50, Blendenzahl F10, Verschlusszeit 3,2‘

Messmethode zur Belichtungsmessung und Weißabgleich: Automatisch

Fokussierung: Autofokus

Fernauslöser: Ja, Steuerung via PC / Software, hier Canon Utility

Aufnahmen: fünf Winkeln, für jeden Winkel (20 – 30 – 40 – 50 – 60°) 12 Aufnahmen in 30° Schritten, Anfangsposition immer abwechselnd bei 10° oder 15°, 60 Bilder insgesamt.

Modellerstellung

Verwendete Software, Version: RTIBuilder, v2.0.2

Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 60

Nachbearbeitung der Bilder: keine

Nachjustierungen während des Erstellens in der Software: keine

Bildmaterial:

Abbildung 2- Screenshot von Vorderseite in Default

Gürtelsegment 14

Kurzbeschreibung: Das aus Julbach stammende Gürtelsegment ist auch ein verehrungswürdiger Fund. Das Artefakt besteht auch aus einem Metallenem Material wie Fundstück 47h, aber beinhält keinen Kupfer Nagelkopf vor der rechten Spitzen Seite des Objekts. Nur die Vorderseite des Artefakts ist geprägt währende die Hinterseite leer ist. Es hat eine Größe von 5 x 2 cm und wiegt 6,57 g. Aus dem in den anderen gepressten Rand des Gegenstandes kann geschlossen werden, dass zwei Metallbleche zusammengehämmert wurden. Im Gegensatz zu Fundstück 47h, die Vorderseite des Objekts ist deutlicher verschlissener. Dies könnte darauf hindeuten, dass es sehr oft in Kontakt mit dem alltäglichen leben und umständen gekommen ist, und nicht gut aufbewahrt würde, dass es in einem sicher weggepackten Ort aufgehoben wurde. Es könnte sogar sein, dass das Fundstück den Landshuter Erbfolgekriegs von 1504 durchgemacht hat und dadurch wenig ausgeleiert wurde. Dieses Artefakt kann genauso gut zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert eingeordnet werden. Wenn man das Objekt genauer für seine dekorativen Merkmale schaut, bemerkt man das dies nur von floralen Motiven bedeckt ist. Im Zentrum ist eine liegende Frau zu erkennen, elegant hingelegt. Hier, im Vergleich zu Fundstück 47h, sind keine Geometrische Prägungen zu finden. Es hat auch ein Schlupfloch, wo es sich vermutlich an einem weiteren Segment oder Kette angebunden gewesen wäre. Dieses Fundstück ist eindeutiger eher ein Segment eines Frauenschmuckgürtels denn die Abbildungen femininer sind als die auf 47h und dementsprechend würdiger als Frauen Accessoire dienen würde.

Kontextualisierung: Leider gibt es generell wenige Informationen zu Julbach und seine Schätze, historisch betrachtet, aufgrund des Landshuter Erbfolgekriegs in 1504, ein Gewaltsamer Untergang durch Brandrodung, wo die Burg und Ihre Mauern zerstörten wurden. Durch Grabungen Vorort im Jahr 2003 wurden verschieden Funde entdeckt, unteranderem: Verlagerte Gebrauchskeramik aus dem 13.- 16. Jhdt., Eisenteile, Putzfragmente Knochen, Reitzubehör, Münzen und Spielsteine.

Herstellung und Verwendung[1]: Solche Gürtelsegmente aus dem 16. und 17. Jahrhundert teilen alle einen sehr ähnlichen Aufbau: „aus Segmenten bestehende, stumpf endende Schließen ohne flexible Längeneinteilung und mit mehrteiligen Anhängekombinationen[2]“. Sie können als Ketten – oder Segmentgürtel sowie als Gürtel mit Textil – oder Lederbesatz erzeugt werden. Durch diese Merkmale können sie unter dem Begriff Frauenschmuckgürtel als Typ „Segmentgürtel mit mehrteiliger Anhängekombination“ anerkannt werden. Drei Herstellungsvarianten gibt es für die Produktion von Gürtelsegmentteile:

Variation I Massiver Guss, bei dem die einzelnen Segmente mit Scharnierhülsen und Dekor in einem Stück gegossen wurden.
Variation II Geschmiedete Bleche (Blechstärke > 0,10 cm) mit geprägtem und ziseliertem oder graviertem Dekor, bei denen vorhandene Scharnierhülsen durch Zurückbiegen des Bleches um eine Seele und Ausschneiden der Hülsenbreite gefertigt wurden. Der Blechrest wurde dabei stets auf der Vorderseite vernietet und verziert.
Variation III Geschmiedete oder gewalzte Bleche (Blechstärke < 0,10 cm) mit

geprägtem oder gepresstem Dekor, bei denen die Segmente mit zwei Blechen zu einem Kasten zusammengesetzt, sowie auch durch mittiges Falten als Doppelblech verarbeitet wurden.

Variationen der Herstellung von Gürtelsegmente laut Jörg Harder (2009, S. 3)

 Aus der obigen Tabelle kann abgeleitet werden, dass die Herstellungsvariationen sich in der Herstellungstechnik, Qualität und vielleicht auch in dessen Wert unterscheiden. Logischerweise muss ein gegossenes Objekt aufwendiger herzustellen sein und benötigt auch mehr Grundmaterial als ein einfaches dünnes Blech. Diese Gürtelteile wurden aus Metalenes Material in Negativen Gussformen aus Holz, anderen Metallen, sowie auch Ton gegossen um sie herzustellen und dann eingraviert.  Die gegossene Gürtelsegmente die einfacheren Motive tragen deuten auf Massenproduktion, denn das stück wurde nicht vollständig mit sorge bearbeitet. Anderseits gibt es auch hochwertigere und Edlere Exemplare an Gürtelsegmente, die aus Gold oder Silber bestehen und mit Edelsteine beschmückt werden. Es ist erforderlich zu merken, dass solche Frauenschmuckgürtel ausführlich von Frauen aus allen Sozialgruppen getragen wurden. Diese Gürtel wurden meistens aus Bronze, Silber und Eisen hergestellt. Fundstücke 47h und 12 a, b stehen in starkem Gegensatz zu den wertvollen Gold- und Silberschmiedearbeiten, denn die Gravierungen sind nicht präzise genug angefertigt. Merkmale wie unvollständige Details, tiefe Feilrillen, Sägeeinschnitte und andere Herstellungsfehler sind offensichtliche Bearbeitungsspuren. Gleichzeitig sind sie auch Hinweise auf das handwerkliche Niveau des Herstellers. Umso deutlicher die Fehler zu erkennen sind, umso schwächer die Qualität des Werkes. Deshalb ist eine massenhafte Produktion für die meisten Stücke anzunehmen. Die Werkstätten in der Zeit, waren nicht auf die Gürtelherstellung spezialisiert, und diese Gürtelteile waren nur ein Produkt unter vielen anderen. Dennoch kann es beschlossen werden, dass die Herstellungsvariation III die einfachste ist um eine Anbindung an einer Kette oder eine Textil- oder Lederborte durchzuführen. Der hauptsächliche Grund dieser Gürtel war rein dekorativ und nicht funktional. Ab dem 17. Jahrhundert sind solche Gürtel immer weniger geworden und wenigere Funde wurden darauf gemacht denn in dieser Zeit sind die aus Mode gegangen.

Für interaktive Lichtsimulation und Vergrößerung bitte zunächst auf die Glühbirne klicken, dann kann mit dem Mauszeiger der Lichteinfall verändert werden; zoomen mit den +/- Zeichen am Rand.

Digitalisierungsprozess

Ort, Zeit, Beteiligte: Universität Passau, Digital Humanities Labor (HK14b), am 06.06.2018 11:30 Uhr durch Anastasia Ederer, anwesend war auch Susanne

Equipment: Canon EOS 100D, Objektiv: 18-55 mm Zoom Objektiv, Kamera-Objekt Entfernung ca. 23 cm

RTI-Aufnahmemethode: Benutzung von RTI-Drehteller mit LED Lampenarm um das Objekt zu Beleuchten. Gebrauch von ein RTI-Referenzkugel mit einem Durchmesser von 10 mm. Auf einer Reprostation mit Stativ zur Kamerapositionierung und ‑Fixierung aufgebaut. Ein USB-Kabel wurde verwendet um die Verbindung von Kamera und PC zu schaffen.

Aufbau: Kameraposition fixiert 90° Grad über dem Objekt an Reprogerät, Unterlage mit RTI-Hilfskreisschema zur Orientierung/Lichtpositionierung.

Aufnahmesituation: Der Raum würde in dem Prozess vollständig abgedunkelt.

Kameraeinstellungen:  

Modus: Autofokus

Datenformat: JPEG  Auflösung: 72 dpi / 5184 x 3456 Pixel
Belichtung: ISO 100, Brennweite 55, Blendenzahl F11, Verschlusszeit 2‘

Messmethode zur Belichtungsmessung und Weißabgleich: Multispot, Automatisch

Fokussierung: Autofokus

Fernauslöser: Ja, Steuerung via PC / Software, hier Canon Utility

Aufnahmen: fünf Winkeln, für jeden Winkel (20 – 30 – 40 – 50 – 60°) 12 Aufnahmen in 30° Schritten, Anfangsposition immer abwechselnd bei 10° oder 15°, 60 Bilder insgesamt.

Modellerstellung

Verwendete Software, Version: RTIBuilder, v2.0.2

Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 60

Nachbearbeitung der Bilder: keine

Nachjustierungen während des Erstellens in der Software: keine

Bildmaterial:

Abbildung 3- Screenshot in Normals Visualisation
Abbildung 4- in-the-making Screenshot von Gürtelsegment in Specular Enhancement
Abbildung 5- Screenshot von Fundstück 12 a, b in Default.

C) Fazit/Anwendungsvorschläge

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Digitalisierung von Artefakten die klügste und innovativste Art und Weise ist, die Produkte unserer Geschichte heutzutage zu archivieren. Es ist wichtig solche neuen Speichermöglichkeiten auszunutzen, denn effizienteres speichern und verteilen an einer breiteren Reichweite so ermöglicht werden kann. So kann das Kulturgut einer Gesellschaft effektiv an mehreren Orten problemlos sowohl wie auch in Vielfalt gespeichert und geteilt werden. Solches archivieren von Artefakten in digitalisierte Form dient der Forschung und Museen zum größtenteils, wie in der Inventur, beispielsweise.

Das RTI verfahren ist perfekt für die Erstellung von Dreidimensionale Digitalisate, denn das Artefakt kann von verschiedene perspektiven in verschieden Lichtverhältnisse betrachtet werden und wird im Auge des Betrachters realistisch wahrgenommen.

 D) Literatur

Harder, Jorg, Historische Archäologie- Segmentgürtel mit mehrteiliger Anhängekombination – Ein Frauenschmuckgürtel der Renaissance, Berlin, 2009, http://doczz.net/doc/5741077/j%C3%B6rg-harder—historische-arch%C3%A4ologie.

[1] Im Auftrag von Fundstücke 47h und 12 a, b wird die gegebenen Informationen zur Verwendung und Herstellung der Gürtelsegmente geteilt.

[2]  Harder, 2009, s.14.

RTI-Aufnahme und Dokumentation Zierelement (Trense) Kat. Nr . 44, Fundort Hilgartsberg

(Dokumentation orientiert am bis dato angewendeten Dokumentationsstandard für RTI- und Photogrammetrie – Aufnahmen in den vorhergehenden Kursen am Lehrstuhl)

Allgemeiner Hinweis: Die Dokumentation dient der Nachvollziehbarkeit des Vorgehens, sie soll daher präzise und konzise sein. Eine tabellarische Aufzählung ist bei den meisten Punkten ausreichend.

A) Objekt / Gegenstand Kurzbeschreibung & Kontext : Laut Fundkatalog ein Zierelement, eigentlich ein Stück einer Pferdetrense, Fundort Burgruine Hilgartsberg, Fundplatz: Abhang, im Zuge der Grabungen 2005 – 2009, Waag. ca. 4,4cm , Kat. Nr. 44, Buntmetall, vergoldet  (diese Angaben laut Fundkatalog)

Es handelt sich um ein Teilstück / Zierelement eines Pferdezaumzeugs, bzw. ein Stück des Zaumbeschlages. (Die Pferdetrense ist ein wichtiger Bestandteil der Ausrüstung beim Reiten, durch sie wirkt der Reiter*in dirket auf das Pferd ein.  Heutzutage wird die Pferdetrense häufig für den Tuniersport, Dressur und andere Reitdisziplin genutzt, dass heißt das Pferd wird sofort für das Reiten mit Trense ausgebildet) Ein vergleichbares Objekt befindet sich z.B. im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig:

Zaumbeschlag,genauer: die mehrteilige Kette ist Teil einer Kandare bzw. Hebeltrense, Datierung: 13./14. Jahrhundert, Material: Kupfer, L 31,8 cm, Fundort: Leipzig Gerberstraße, Standort: Stadtgeschichtliches Muesum Leipzig, Inv.-Nr.: Me B 24. VGl. Eintrag in der Online-Objektdatenbank: http://museum.zib.de/sgml_internet/sgml.php?seite=5&fld_0=dau00016, Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 DE

Die Beschreibung zum Objekt auf der Online- Objektdatenbank des Stadtmuseums Leipzig  lautet: „Die mehrteilige Kette ist Teil einer Kandare bzw. Hebeltrense, die durch die Verwendung von Klemmeisen zu den wirksamsten, aber auch grausamsten Arten der Zaumzeuge gehörte. Der aus der Gerberstraße stammende Teil einer Seitenkette wurde immer als ungarisch angesehen und damit als Hinweis auf die weit gespannten Handelsbeziehungen Leipzigs gewertet. Die geografische Zuordnung beruhte auf Funden vollständiger Trensen, die im Ungarischen Nationalmuseum aufbewahrt und erstmals 1922 veröffentlicht wurden. In der Zwischenzeit sind zahlreiche Funde von ähnlichen Trensenteilen aus England und Mitteleuropa bekannt geworden, die belegen, dass in Städten und Burgen derartige Trensen üblich waren und als Beleg gehobener bürgerlicher oder ritterlicher Lebensweise des 13. und 14. Jahrhunderts anzusehen sind.“ Verf: Dr. Thomas Westphalen, Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden, Abteilungsleiter archäologische Denkmalpflege, Lit.: Schröder 1941, S.116-119; Gaitzsch 1997, S. 497- 511. NB zur LIteratur: besonders Gaitzsch, Wolfgang: Zaumbeschläge mittelalterlicher Kandaren, in: Archäologisches Korrespondenzblatt Bd. 27 / 1997, S. S. 497- 511 ist auch für das Hilgartsberger Stück relevant.

Das Hilgartsberger Objekt  ist ihn vergleichbarem Kontext wie oben aufzufassen – und auch hier als Hinweis auf Handelsbeziehungen, bzw. überregionalen Austausch. Angesichts der Lage an der Donau und daher der im Vergleich zu Leipzig um einiges direkteren Verbindung nach Osten ist auch der Bezug zu Ungarn umso naheliegender. Vielleicht ist hier auch awarische Tradition bzw. Einfluss zu erkennen, vgl. Verbreitung, Kunst und Kultur der Awaren (frühmittelalterliches Reitervolk) .

Das Hilgartsberger Zierelement  besteht aus Buntmetall, die genaue Metallart wird nicht beschrieben.  Das Material Metall, also Eisen, Edelstahl und Kupfer, wird heutzutage noch oft für die Herstellung von Trensen verwendet.

B) Aufnahme

Ort, Zeit, Personal:  Labor für Kulturgutdigitalisierung am Lehrstuhl für Digital Humanities der Universität Passau, 06.12. 2017, Teilnehmer des Kurses ‚Kulturgut in 3D‘

Kamera: EOS 100D, Objektiv 18-55mm

Aufnahmesituation: abgedunkelter Innenraum, wenig indirektes Licht durch Bildschirme, keine zusätzliche Raumbeleuchtung. Hilfsmittel: RTI-Drehteller mit Lampenarm zur Ausleuchtung des Objekts und einer RTI-Referenzkugel mit dem Durchmesser 5mm, aufgebaut auf Reprostation mit Stativ zur Kamerapositionierung und – Fixierung USB- Kabel zur Verbindung von Kamera und PC

Kameraeinstellungen: Kameramodus: manuell Datenformat: jpeg, Auflösung 72 dpi / 5472 x 3648 Pixel / 20 Mpix Belichtung: ISO 100, Brennweite 18-55mm, Blendenzahl F  1/6 , Verschlusszeit 8.0 Sek, Messmethode zur Belichtungsmessung und Weißabgleich: manuell Fokussierung: Autofokus zur Justierung / Schärfeneinstellung vor Beginn des Aufnahmesets, danach umgestellt auf  manuell und nicht mehr verändert. Fernauslöser: Ja, Steuerung via PC / Software Canon Utility

Vorgehen bei der Bildgewinnung: aus 4 Winkeln / Lichtpositionen am RTI-Arm (20 – 30 – 40- 50°) wurden jeweils in 30° Schritten (versetzt startend bei 0° bzw. 15° ) entsprechend der Markierungen am Drehteller ein Set von 60 Fotos gemacht

C) Modellerstellung

Anzahl der Aufnahmen für das zu erstellende Modell: 60

Nachbearbeitung der Bilder: keine

Verwendete Software: RTIBuilder, Version 2.0.2

D) Beobachtungen, Probleme , Lösungen / sonstige Angaben zur Nachvollziehbarkeit und möglichen Reproduktion der Arbeit:

Da das Objekt sehr klein ist wurden statt einer Referenzkugel zwei kleinere gewählt, um diese näher an das Objekt legen zu können.

 

Nahaufnahme des Objekts. Man kann ein Tier darauf entdecken. Es könnte sich um eine Biene handeln oder einen andere Art von Insekt mit Flügeln.