Category Archives: Verschwörungstheorie

ALTERNATIVES KLIMA

Gibt es den Klimawandel überhaupt? Und wenn ja, welchen Einfluss hat der Mensch auf das Klima? Es herrschen viele Meinungen zum Klimawandel. Die einen bezeichnen ihn als größte Herausforderung der Menschheit des 21. Jahrhunderts, die anderen als reines Naturphänomen, auf das der Mensch keinen Einfluss hat.

Was stimmt denn nun?

Wir wollten es ganz genau wissen und haben uns auf Recherchereise in den Norden Deutschlands begeben. Dabei haben wir zwei Experten getroffen, die verschiedene Ansichten zum Klimawandel haben.

Zuerst machten wir hier Halt:

Mit Dr. Tobias Bayr haben wir folgendes besprochen:

Summer School: Herr Bayr, Sie sind Meteorologe am renommierten Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Ihr Fachgebiet sind natürliche und menschenverursachte Klimaschwankungen. Deshalb eine einfache Frage: Hat der Mensch wirklich Einfluss auf das Klima oder ist die derzeitige Erwärmung nur ein Naturphänomen?

Dr. Tobias Bayr:  Die Erde hat sich in den letzten 150 Jahren sehr stark erwärmt. Und dafür sind wir Menschen verantwortlich. Und die menschengemachten Treibhausgasemissionen sind für diese Entwicklung verantwortlich. Dazu muss man nur den Bericht des internationalen Klimarats (IPCC) lesen. Es gibt natürliche Schwankungen. Diese gab es schon immer. Aber der Mensch verstärkt diese und macht sie so extremer.

Das kann man sich wie das Zinken eines Würfels vorstellen. So ein heißer Sommer, wie wir ihn jetzt hatten, ist die sechs auf einem Würfel. Durch die Erderhitzung ist der Würfel so gezinkt, dass die sechs häufiger kommt. Und wenn man dann würfelt und die sechs kommt, weiß man nicht, ob dies aufgrund normaler statistischer Werte aufgetreten ist oder ob das Zinken des Würfels dazu geführt hat. Aber schlussendlich wird die sechs häufiger gewürfelt.

Summer School: Bräuchte es nicht eine neue Wirtschaftsordnung gegen den Klimawandel? 

Bayr: Ja, da gibt es auch schon ganz gute Ansätze. Teilweise schon umgesetzt wird der „Cradle-to-Cradle-Ansatz“. Das bedeutet übersetzt: „von der Wiege zur Wiege“. Damit ist gemeint, dass man Produkte so designed, dass man sich schon beim Herstellen die Frage stellt: Wie kann ich das Material am Ende wiederverwerten?

Da gibt es ein schönes Beispiel aus der Natur. Oft wird gesagt, dass wir zu viele Menschen auf der Erde sind und dass wir deshalb diese Naturprobleme haben. Wenn man aber alle Ameisen dieser Welt auf eine Waage packt und daneben alle Menschen auf eine andere Waage, wiegen Ameisen viel mehr als wir – und Ameisen machen überhaupt keine Umweltprobleme.

Das liegt daran, dass die in Kreisläufen arbeiten. Wir tun das nicht. Wenn wir in Kreisläufen arbeiten würden, vergleichbar mit dem „Cradle-to-Cradle-Ansatz“, wären  sieben bis neun Milliarden Menschen kein Problem für die Erde.

Summer School: 2015 beschlossen 195 Staaten das Pariser Klimaabkommen. Dieses gilt als historisch bedeutsam im Kampf gegen die Erderwärmung. Wie stehen Sie dazu und glauben Sie, dass es ein gutes Werkzeug ist, um das Klima zu retten?

Bayr: Es ist auf jeden Fall schon mal super, dass 195 Staaten sich bei diesem Thema einig geworden sind. Das ist auf jeden Fall wegweisen, da es ein klares Signal an die Welt gesetzt hat. Und trotzdem ist es wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass Paris allein nicht automatisch zu mehr Klimaschutz führt. Letztendlich müssen die Ziele, die im Abkommen vereinbart wurden, auch umgesetzt werden. Und da sehe ich das große Problem.

Um es bildlich zu beschreiben: Man kann sich unser Klima wie einen großen Tanker vorstellen. Tanker deswegen, weil diese super träge sind. Wenn so ein Tanker erstmal so richtig in Fahrt ist, braucht er sehr sehr lange, um zum Stillstand zu kommen. Im Moment ist es so, dass wir diesen Tanker immer weiter beschleunigen. Wir wissen aber genau, dass wir genau auf ein Feld aus Eisbergen zufährt. Und 195 Leute alias Staaten stehen auf der Brücke und haben jetzt mit dem Pariser Abkommen folgendes bemerkt: „Ja, es könnte durchaus gefährlich werden, wenn man mit Vollgas durch dieses Eisbergfeld fährt. Lasst uns mal beschließen, dass wir nicht weiter beschleunigen.“ Das ist das Pariser Abkommen.

Summer School: Ist das Ziel des Pariser Abkommens, die Erde bis 2100 auf 1,5 beziehungsweise zwei Grad zu begrenzen, realistisch? 

Bayr: Bei dem 1,5-Grad-Ziel gab es vor kurzen eine Studie, die besagt, dass das 1,5-Grad-Ziel eigentlich utopisch ist. Das können wir nicht mehr einhalten. Vor allem nicht mit dem aktuellen US-Präsidenten. Das Zwei-Grad-Ziel ist noch möglich, aber dafür sind die nächsten 10-20 Jahre entscheidend. 

Summer School: Wie schauen Sie in die Zukunft? Glauben Sie, dass das Klima noch zu retten ist?

Bayr: Von der politischen Seite her stimmt mich die Zukunft eher sorgenvoll. Was mir auf der anderen Seite Hoffnung macht, ist sozusagen, dass was von unten passiert. Es gibt viele kleine Initiativen, die sich für den Umweltschutz engagieren. In der Bevölkerung könnte dann ein größeres Bewusstsein für dieses Thema entstehen, wenn es immer Menschen gibt, die vorangehen und sagen, dass sie etwas tun wollen. Sie zeigen, dass man nicht immer warten muss,  bis die Politik den Klimaschutz in Angriff nimmt. 

Letztendlich leben wir nämlich in einem gekoppelten System, also zwischen Regierungsebene und Bevölkerungsebene. Wenn mehr Druck von unten ensteht, dann wird sich auch die Regierung irgendwann anders verhalten. Und wenn sich die Bevölkerung klarer zu mehr Klimaschutz positioniert, dann wird auf Dauer auf politischer Ebene mehr passieren. Wir unterschätzen unsere eigene Wirksamkeit. Denn wir sind ja keine isolierten Wesen. 

Nachdem wir das interessante Gespräch mit Dr. Bayr geführt haben, ging es sofort weiter zur nächsten Station:

Prof. Dr. Hans von Storch hat eine sehr prägnante Meinung zum Klimageschehen. In Teilen der Öffentlichkeit wird er sogar als Klimawandelskeptiker bezeichnet. Wie er sich dazu und zum Klimawandel geäußert hat, erfahrt ihr hier:

Zurück in Passau haben wir uns nochmal intensiv Gedanken über den Klimawandel gemacht und dieses Fazit gezogen:

HETZERKOLLEKTIV

„Sonderrechte für Asylforderer – Deutsche schauen in die Röhre“, „Ursula Haverbeck – Mit 90 Jahren in Gesinnungshaft“, „Rassenrealismus: Studie zum Anderssein des Schwarz-Afrikaners im Vergleich zum Weißen“. Mit solchen Überschriften macht die Newswebsite Anonymous News ihre Artikel auf. In diesen geht es meistens gegen alles Etablierte. Gegen die Regierung, die freiheitlich demokratische Grundordnung und die fremdgesteuerten „Systemmedien“. Immer wieder benutzt Anonymous News für die Verbreitung und Erstellung der Artikel fragwürdige Praktiken. Zu diesen zählt, neben der verzerrten Darstellung von Faktenlagen, auch die Verbreitung von Verschwörungstheorien.

Eben diese Verschwörungstheorien werden in der Kommentarsektion der Website teils heftig diskutiert und weiter ausgebaut. Das Erschreckende daran ist, dass sich fast alle Kommentatoren bei Anonymous News bei einer Sache einig sind: Die in den Artikeln beschriebenen Verschwörungstheorien sind wahr.

Unter den verbreiteten Verschwörungstheorien auf Anonymous News gibt es Verschwörungstheorien, die besonders präsent sind. Eine dieser regelmäßig aufgegriffenen Theorien behauptet, die Bundesregierung arbeite an einer sogenannten „Umvolkung“. Die Verschwörungstheorie geht davon aus, dass die großen Migrationsbewegungen der vergangenen Jahre der erste Schritt sind, um die Europäer, insbesondere die deutsche Bevölkerung, „auszurotten“ und durch eine islamistische Gesellschaft zu ersetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, wendet die Bundesregierung angeblich gesetzeswidrige Mittel an und macht oppositionelle Stimmen mundtot. Die Verschwörungstheorie besetzt Positionen des rechtsradikalen Spektrums die darauf abzielen, die muslimische Bevölkerung zu diskreditieren und das Vertrauen in die Demokratie zu schwächen.

Eine weitere Verschwörungstheorie, die häufig von Anonymous News aufgegriffen wird, steht in Verbindung zu der „Umvolkungsverschwörung“. In dieser Theorie wird davon ausgegangen, dass alle reichweitenstarken Medien von der Bundesregierung gesteuert und instrumentalisiert werden. Die sogenannte „Lügenpresse“ verbreite Meldungen, die von der Regierung verfasst werden und stütze so das widerrechtliche System der Bundesrepublik. Anonymous News und die in den Artikeln genannten Rechtspopulisten und Rechtsradikalen sind angeblich die einzigen Kräfte in der Bundesrepublik, die noch für den Erhalt der Meinungsfreiheit kämpfen. Auch diese Verschwörungstheorie zielt auf einen Vertrauensverlust in die Demokratie bei den Rezipienten ab.

Dass die verbreiteten Falschinformationen und die irreführende Berichterstattung von Anonymous News durchaus auf Zustimmung treffen, zeigen die Kommentare unter den Artikeln der Website. Im Folgenden sind einige Kommentare zu sehen, die die Stimmung auf Anonymous News einfangen. Neben einer Einordung des Inhalts und einem Faktencheck der vorgebrachten Argumente der Verschwörungsanhänger werden auch kurz die aufgegriffenen Verschwörungstheorien genannt:

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Die Kommentare unter den Artikeln von Anonymous News zeigen: Die verbreiteten Verschwörungstheorien finden Anklang bei manchen Rezipienten. Dabei fällt auf: Die abstrusen Argumentationsketten und Beweisführungen der Anhänger von Verschwörungstheorien folgen ähnlichen Mustern. Immer wieder dienen Falschmeldungen und Theorien aus dem rechten Spektrum als Ausgangspunkt für die Kommentare. Allerdings lassen sich diese Argumente schnell von reflektierten Lesern entlarven, als das, was sie sind – verirrte Fantasien einer rechtsradikalen Minderheit.

Mehr zum Thema findest Du hier: „Verschwörerische Frequenzen“

VERSCHWÖRERISCHE FREQUENZEN

 

Vom Tod berühmter Persönlichkeiten wie Elvis oder Tupac bis hin zu erschütternden Terroranschlägen am 11. September 2001 in New York. Verschwörungstheorien sind allgegenwärtig in allen Gesellschaftsbereichen. Manchmal scheinen sie nur zur eigenen Belustigung zu entstehen. Dass Hitler noch lebt und heimlich seine Rückkehr plant, kann zumindest schon aus biologischer Sicht nur belächelt werden. Ganz abgesehen von der Sinnhaftigkeit dieses Versteckspiels.

Es gibt aber auch Verschwörungstheorien, die deutlich seriöser und glaubhafter erscheinen wollen. Sie erklären Szenarien und Ereignisse, die manche Menschen nicht als zufällig abtun wollen. Transportieren diese Theorien nur überschüssige Informationen und machen es für empfängliche Persönlichkeiten „leichter“, die Welt zu verstehen oder sind sie auch Werkzeuge, um konkrete Ziele umzusetzen?

Der Germanist Sören Stumpf und der Sozial- und Rechtspsychologe Roland Imhoff beschäftigen sich in ihren jeweiligen Forschungen mit Verschwörungstheorien und wie diese verbreitet und ausgebaut werden. Allerdings nach unterschiedlichen Gesichtspunkten. Während sich Herr Imhoff mit dem Individuum und der Verschwörungsmentalität auseinandersetzt, hat sich Herr Stumpf mit der Kommunikation im Internet beschäftigt. Genauer gesagt: mit den Kommentarspalten auf YouTube.

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Sören Stumpf über Verschwörungstheorien und wie sie verbreitet werden.

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Roland Imhoff über die Verschwörungsmentalität des Einzelnen.

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Mehr zum Thema findest du hier:
Abseits vom Mainstream und Hetzerkollektiv.

ABSEITS VOM MAINSTREAM

Verschwörungstheorie, die. Substantiv, femininem. Vorstellung, Annahme, dass eine Verschwörung, eine verschwörerische Unternehmung Ausgangspunkt von etwas sei.

Die Verrückten mit den Aluhüten

Drei Jahre lang war Stephanie Wittschier in der Verschwörungsszene aktiv. Alles begann 2010, als sie eine Dokumentation über den 11. September 2001 sah, in der einige Unstimmigkeiten aufgezeigt wurden. „Das hat mich damals so neugierig gemacht, dass ich mich daraufhin an unseren Computer setzte, um weiter in der Richtung nachzuforschen. Dabei kam ich auf viele dubiose Seiten,“ schreibt Stephanie Wittschier heute auf ihrem Blog. Wenige Tage später glaubte sie bereits an Chemtrails: Daran, dass Kondensstreifen in Wirklichkeit giftige Chemikalien sind, mit denen eine mächtige Elite das Wetter steuert, uns Menschen vergiftet und dadurch die ganze Welt kontrolliert.

Erst als sie sich genauer mit der Thematik beschäftige und sich richtig informierte, erkannte sie, „was das doch alles für ein großer Schwachsinn ist. Heute kann ich gar nicht verstehen, wie dumm ich doch damals war.“ Mittlerweile spricht sie offen über ihre Erfahrungen: Der Zusammenhalt in der Szene, ihren von Rückfällen gefährdeter Ausstieg, Morddrohungen und Suizidgedanken. Mit ihrem Blog „Die lockere Schraube“ möchte sie über die Verschwörungsszene aufklären: „Seitdem mir klar wurde, an was für einen Schund ich da geglaubt habe, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, andere vor den möglichen Gefahren, die hinter so mancher Verschwörungsideologie stehen, zu bewahren. Ich möchte die Menschen aufklären, so dass sie nicht, anders als ich, auf den ganzen Müll hereinfallen.“

Warum wir dazu neigen, den ganzen Schwachsinn zu glauben

Verschwörungstheorien sind ebenso abstrus wie faszinierend. Über das Internet verbreiten sich diese Gedanken rasant auf der ganzen Welt. Doch woher kommt die Faszination für Verschwörungstheorien? Wie ist dieses Phänomen  psychologisch und soziologisch erklärbar?

Das Verhalten, Muster zu suchen und Zusammenhänge zu sehen, wo vielleicht auch keine existieren, sei erstmal ein gesunder menschlicher Mechanismus. Der Psychologie Marius Raab bezeichnet ihn sogar als eine Fähigkeit, welche die menschliche Intelligenz zu etwas besonderem macht: Die Fähigkeit, Analogien zu bilden – also Strukturen von einem Lebens- oder Realitätsbereich auf einen anderen zu übertragen.

Wenn wir bemerken, dass wir etwas nicht begreifen können, versuchen wir, wieder Ordnung herzustellen und Zusammenhänge zu finden. Dieser Wunsch nach Struktur kann uns dann Muster erkennen lassen, wenn eigentlich gar keine da sind. Wir konzentrieren uns auf die Informationen, die wir sehen wollen, während alles andere ausgeblendet wird. Bei Verschwörungstheorien kommt es also zu einem omnipräsenten Bestätigungsfehler, bei dem wir nur solche Informationen auswählen, suchen und interpretieren, die unsere eigenen Ideen und Erwartungen unterstützen und bestätigen. Beweise, die im Widerspruch dazu stehen, werden ignoriert. Vor allem Menschen mit intensiven Gefühlen von Unsicherheit, Machtlosigkeit und Kontrollverlust sind anfälliger für Verschwörungstheorien sind und Muster sehen, wo keine existieren, erklärt Raab.

 

Was die Anhänger von Verschwörungstheorien fasziniert, ist, dass sie sich durch diese aus der breiten Masse herausheben können. Man ist plötzlich einer der wenigen, die verstanden haben, wie die Welt wirklich funktioniert, während die breite Masse angeblich schlafend und mit geschlossenen Augen durchs Leben läuft. Michael Butter, Amerikanist mit Forschungsschwerpunkt Verschwörungstheorien
 

Unser Hirn funktioniert nun mal so, ob wir daran glauben oder nicht. Zum Beispiel neigen wir dazu, hinter Ereignissen eher Absichten als Zufälle zu sehen. Nur so konnte sich unsere Spezies durch die Evolution erfolgreich entwickeln: Wer sich mit Unwissen abfindet, lernt auch nicht, die Welt besser zu verstehen und sich auf sie einzustellen. Rob Brotherton, US- Psychologe

Unsicherheit und Machtlosigkeit

Das Misstrauen in gesellschaftliche Institutionen geht oft mit der Vorstellung einher, dass andere Mächte in Wirklichkeit die Geschehnisse lenken. Laut der Studie “Die enthemmte Mitte” von Michael Blume aus dem Jahre 2016 denken mehr als die Hälfte aller deutschen Staatsangehörigen, dass es vernünftige Gründe gibt, Regierungen, Geheimdiensten oder Medien zu misstrauen. Ein Drittel wiederum glaubt, dass die meisten Menschen nicht erkennen, in welchem Ausmaß unser Leben durch geheime Verschwörungen bestimmt wird. Ebenfalls ein Drittel glauben sogar, dass Politiker und andere Führungspersönlichkeiten nur Marionetten von dahinterstehenden Mächten sind.

Mehr zu  rechten Verschwörungen findest Du hier: „Hetzerkollektiv“

Psychologen haben eine Vielzahl an Emotionen und Aspekten gefunden, welche in Zusammenhang mit dem Glauben an Verschwörungstheorien einhergehen könnten: Bildungsstand, Langeweile, Neigung zum Verfolgungswahn, politischer Extremismus, Bedürfnis nach Einzigartigkeit sowie Persönlichkeitsmerkmale wie Narzissmus oder Selbstbewusstsein. Ein bestehender Zusammenhang zwischen einer bestimmten Persönlichkeit und dem Glauben an Verschwörungstheorien konnte jedoch bisher nicht festgestellt werden.

Ebenso hat sich in den vergangen Jahren gezeigt, dass Menschen, die bereits an eine Verschwörungstheorie glauben, eher dazu neigen, an eine weitere zu glauben; selbst wenn sich diese widersprechen. Dies konnte bei einer Studie von Wood, Douglas und Sutton aus dem Jahre 2012 gezeigt werden: Je mehr ein Teilnehmer davon überzeugt war, dass Prinzessin Diana vom britischen M16 getötet wurde, desto sicherer war er sich, dass Lady Di ihren Tod vorgetäuscht hat.

Die Verrückten mit den Aluthüten? Die typische Verschwörungspersönlichkeit gibt es nicht!

Du willst noch mehr zum Thema erfahren? Dann schau bei „Verschwörerische Frequenzen“ vorbei und hör Dir unseren Podcast an.

Zwei Welten prallen aufeinander

Marius Raab arbeitet am Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie und Methodenlehre der Universität Bamberg. Dort hat er im Rahmen seiner Promotion zur Wahrnehmung und Informationsverarbeitung in Zusammenhang mit Verschwörungstheorien und Fake News geforscht.
Stephanie Wittschier wurde 2010 durch eine 9/11 Dokumentation zum ersten Mal auf die Verschwörungsszene aufmerksam. Heute redet sie offen über ihre Erfahrungen und möchte mit ihrem Blog „Die lockere Schraube“ über die Verschwörungsszene aufklären.
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Warum und wie glauben Menschen an Verschwörungstheorien? Diese scheinbar einfache Frage wird auf den zweiten Blick kontroverser als gedacht. Was geht in den Köpfen von Verschwörungstheoretikern vor? Wie ticken sie? Wie sollte man mit Verschwörungen umgehen und sind sie eigentlich gefährlich?  Klare Antworten gibt es darauf (noch) nicht. EHRENWORT hat dazu den Psychologen Marius Raab und die Aussteigerin Stephanie Wittschier befragt. Deren Ansichten könnten unterschiedlicher nicht sein.

Dadurch, dass fast jeder die Erfahrung macht, dass etwas auf eine Art passiert, die man sich nicht erklären kann, ist es eigentlich nicht irrational, bei bestimmten Ereignissen verborgene Machenschaften anzunehmen. „Es ist oft sogar notwendig, um die Welt besser zu verstehen,“ erklärt Marius Raab. „Insofern brauchen wir manchmal auch Verschwörungstheorien oder Verschwörungstheoretiker. Leute, die unsere Weltsicht immer wieder herausfordern und in Frage stellen.“

Wenn sich jemand etwas auf eine Art erklären will, die zwar abseits vom Mainstream ist, aber niemandem schadet: Wieso nicht? Marius Raab

Für Marius Raab ist Verschwörungstheorie nicht gleich Verschwörungstheorie: Zum einen gibt es die komplett harmlosen Verschwörungen, welche sogar gut für eine Demokratie sein können, zum Beispiel: „Werden  wir überwacht?“ Auf der anderen Seite stehen die gefährlichen, die politischen Minderheiten oft die Schuld an negativen Umständen geben. Doch auch bei diesen sieht Marius Raab das Problem nicht in der Verschwörungstheorie selbst, sondern in den Inhalten. Wichtig dabei ist, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und sie wie ganz normale Menschen zu behandeln: „Wenn ihre Ansichten schwierig sind, zum Beispiel antisemitisch oder hetzerisch, muss man diese natürlich angehen und sich damit auseinander setzen.“

Die Verschwörungsszene ist gefährlich, auch schon am Anfang! Stephanie Wittschier

Stephanie Wittschier sieht das anders. Im Laufe des Gesprächs betont sie immer wieder, wie gefährlich die Verschwörungsszene ist, auch schon am Anfang. Sie denkt, dass es oft an Langeweile oder schlechten Erfahrungen  im eigenen Leben liegt, dass man anfälliger für Verschwörungstheorien ist und an sie glaubt. Durch  ihre eigenen Erfahrungen erzählt sie, wie schnell man bei einer Theorie landet und dann von einer Szene in die nächste rutscht. Daher ist es ihr besonders wichtig, dass das Thema ernst genommen wird: „Es bleibt ja leider nicht bei einem Blödsinn. Wenn man an die flache Erde glaubt, glaubt man auch ganz schnell an allen anderen möglichen Blödsinn. Und am Schluss endet das immer in der braunen Szene.“

Vor allem nach ihrem Ausstieg zeigten sich die Gefahren der Szene deutlich: Von Morddrohungen bis hin zu Stalkern, „Sobald man aussteigt, ist man für die Szene der Satan schlechthin, der bekämpft werden muss.“ Ein Spezialrezept, Verschwörungstheorien aufzubrechen, gibt es laut Stephanie Wittschier nicht: „Da muss vielleicht schon so eine krasse Sache wie bei mir passieren, damit man überhaupt mal anfängt, umzudenken.“

Die ganze Interview-Reihe findest Du hier.

"Hätte ich so weiter gemacht, wäre ich wahrscheinlich in der Psychiatrie gelandet“

Wer sich einmal in der Verschwörungsszene befindet, kommt aus diesem Denkmuster nur schwer heraus. Konfrontation und Gegenwind aus der Verschwörungsszene. Scham und Angst, sich der Wahrheit zu stellen. Ein Schockmoment brachte Stephanie Wittschier schließlich zum Nachdenken und zurück in die Realität.

Nach und nach steigt Stephanie Wittschier aus der Verschwörungsszene aus. Ein Prozess, der nur langsam voranschreitet, denn immer wieder ist Stephanie kurz davor, aus Scham wieder in die Szene zurückzuflüchten.

All die positiven Erfahrungen, die sie zuvor mit der Szene gemacht hatte, wandeln sich dadurch ins Gegenteil. Sie wird verfolgt und bedroht: Angst begleitet sie bis heute. Dennoch ist es ihr wichtig, über die Verschwörungsszene aufzuklären.

"Eigentlich sind wir alle Verschwörungstheoretiker"

Mit diesen Worten beendet Marius Raab das Interview. Für ihn sind wir alle auf die eine oder andere Art und in dem einen oder anderen Gebiet Verschwörungstheoretiker, da fast jeder Mensch manchmal Ansichten hat, die als Verschwörungstheorien durchgehen könnten. „Jeder Mensch will die Welt, in der er lebt, verstehen.“

Vergleicht man die Forschung mit den Erzählungen der Aussteigerin, erhält man konträre Eindrücke. Während Psychologen die Thematik sehr sachlich erklären und erforschen, zeichnet sich bei den persönlichen Erzählungen ein anhaltendes Gefühl von Fassungslosigkeit, Unruhe und Nachdenklichkeit. Über eins sind sich jedoch beide Seiten einig: Es ist wichtig, einen Dialog untereinander zu finden.

 

Das Thema muss auf jeden Fall mehr in die Öffentlichkeit und einfach mehr beachtet werden. Da kann man nicht einfach sagen: „Ja, lasst die doch, die Spinner.“ Stephanie Wittschier
 

Wir müssen auf jeden Fall versuchen, irgendwie einen Dialog zu finden; auch mit Menschen, die jetzt aus unserer Sicht abseitige Erklärungsmodell haben. Wir müssen es schaffen, in Kontakt zu bleiben und zu verstehen, warum sehen diese Menschen ihre Welt so. Was ist vielleicht an meiner eigene Weltansicht manchmal auch unreflektiert oder einfach nur eine Vorannahme, die mich mit mir rumtrage. Dr. Raab