Fotoreportage: Bildbearbeitung in sozialen Medien

In China sieht man die Wahrheit und die Schönheit als die zwei am wichtigsten ästhetischen Kriterien. Aber kann sich das Konzept Schönheit immer an der Wahrheit anpassen? Wenn diese zwei Konzepte gegeneinander stehen, wie soll man dann dazwischen entscheiden? Die technische Entwicklung bietet unterschiedliche Möglichkeiten an, mit denen man sich besser in sozialen Medien präsentieren kann. Gleichzeitig können sie übermäßiges Bewusstsein über eigenes Aussehen hervorrufen. 

In Ostasien schätzt man das Aussehen eines Menschen sehr. Laut einer Studie im Jahr 2006, in der ein Vergleich zwischen der Werbungen von Frauenzeitschriften in Singapur, Taiwan und den USA durchgeführt werden, hat das Schönheitskonzept in Asien mehr mit einem schönen Gesicht zu tun, während es sich in den USA mehr auf den Körper konzentriert. Deswegen gibt es in Asien zahlreiche Bildbearbeitungsmöglichkeiten für Verschönerung, z. B. im Appstore. Dadurch kann man nicht nur automatisierte Bildverbesserung, wie Filter, nutzen, sondern auch die komplette Bearbeitung des Fotos ähnlich wie mit Adobe Photoshop manipulieren. Wie finden die Leute dort das Phänomen der Bildbearbeitung? Mit Interviews soll ein Überblick darüber geschaffen werden.

@Chunjie Zhu, 28, Studentin(Promotion):

Ich glaube, dass die Bearbeitung von eigenen Bildern ein Trend wurde nach der Erscheinung der Smartphones und der begleitenden Apps. Während ich in der Schule war, hatte fast Niemand das Bewusstsein, vor der Veröffentlichung die eigenen Bilder zu bearbeiten, um ein besseres Image in den sozialen Medien zu präsentieren. Ich nutze Bildbearbeitungs-Apps ab und zu, aber finde die originale Version immer besser, denn es scheint natürlicher. Ich habe eine Freundin, die drei bis vier Apps gleichzeitig für ein Bild nutzt, bis sie mit den Ergebnissen zufrieden ist. Ich kann ihr Streben nach Schönheit und Perfektion verstehen, aber ich würde es selbst nicht so machen. Meiner Meinung nach gibt es hier aber keine enge Grenze, und es ist nicht falsch, wenn sich jemand schöner in den sozialen Medien zeigen möchtet.

@Lingyun Wang, 26, Anwältin:

Es ist notwendig, dass ich vor der Veröffentlichung in den sozialen Medien jedes Mal meine Fotos bearbeite. Ich bin nicht zufrieden mit der Handykamera, denn das Licht ist immer schlecht. Außerdem sieht mein Gesicht wegen der Pickel in der originalen Fotos nicht schön aus. Mit den Apps kann ich dies schnell verbessern. Ich verstehe nicht, warum viele Menschen bearbeitete Fotos in den sozialen Medien problematisch oder sogar als Täuschung sehen. Jeder hat das Recht, schön zu sein, auch in den sozialen Medien. Natürlich sollte man eigene Fotos nicht zu viel bearbeiten, aber ich glaube immer, dass die eigenen Fotos nur als Zugang zum Profil eines Menschen funktionieren. Ein bearbeitetes Foto kann möglicherweise den ersten Eindruck der Fremden vom Nutzer verbessern, aber es ist nicht nachhaltig. Und wenn man tatsächlich versucht, durch die eigenen Fotos zu täuschen, gibt es immer Möglichkeiten außer Bildbearbeitung: Originale Bilder können auch lügen.

@Xin Qiu, 25, Studentin(Master):

Ich nutze die bearbeiteten Bilder in den sozialen Medien nie, denn nach der Bearbeitung sind mir die Fotos sehr fremd. Ich habe mal versucht, einige Kleinigkeiten von den Fotos zu verändern, z. B. meine Hautfarbe, und es war sehr unnatürlich, auch wenn ich versichern könnte, dass sogar meine besten Freunde die kleinen Unterschiede nicht finden könnten. Ich habe nie die Geduld, ein Foto mehrmals zu bearbeiten, bis es natürlich erscheint. Aber ich verstehe, warum so viele Leute die bearbeiteten Fotos in den sozialen Medien nutzen. Ich finde es ist wie ein Schutzmechanismus gegen Kritik: Wenn man seine eigene Fotos in den sozialen Medien veröffentlicht, würde man damit sein Leben mit Freunden oder auch Fremden teilen. Niemand möchte, dass er wegen der Fotos auf Ebene seines Aussehens negativ bewertet wird. Und ich glaube, dass es auch eine Art der sozialen Etikette ist, sich in den sozialen Medien um sein eigenes Aussehen zu kümmern. 10% – 20% Abweichung von den originalen Bildern ist für mich die Grenze der Bearbeitung. Man soll sich immer wie man selbst verhalten, auch in den sozialen Medien.

@Sijing Cheng, 23, Studentin(Bachelor):

Ja, alle Fotos, die ich in den sozialen Medien veröffentlicht habe, wurden bearbeitet. Für ein Foto brauche ich immer mehr als eine App, um das beste Bearbeitungs-Ergebnis zu erreichen. In bearbeiteten Fotos bin ich schlanker und habe weniger Pickel. Weißt du, im ostasiatischen Kulturraum schätzt man das Aussehen sehr und es wird sogar als abschließender Faktor zur Bewertung gesehen. Besonders in den sozialen Medien ist es verständlich: In diesem virtuellen Raum lernen wir oft plötzlich Fremde kennen, denen wir fast nie in der realen Welt begegnen würden. Dann warum nicht einen Fremden mit schönerem Profilbild bevorzugen, wenn es keine negativen Folgen hat? Die einzige Grenze ist, wenn es mit wirtschaftlichem Profit zu tun hat. Es gibt in den sozialen Medien die Influencer, die eigene Bilder übertrieben bearbeiten, um mehr Follower zu haben und damit Einkommen durch kommerzielle Werbungen von Unternehmen der Schönheitsindustrie zu bekommen. Das ist eigentlich problematisch.

@Luwei Xu, 26, Studentin(Bachelor):

Ich nutze solche Apps ab und zu, um einige Kleinigkeiten wie Licht oder Farbton zu korrigieren. Meiner Meinung nach fördern die Influencer in den sozialen Medien diesen Trend der Bildbearbeitung. Sie vermitteln immer perfekt erscheinende Leben durch ihre Bilder, die am meisten bearbeitet und verbessert wurden. Ihre Follower, besonders die Jugendlichen, können wahrscheinlich dadurch ein falsches Werte-Konzept erhalten, dass ein schönes Äußeres zwangsläufig zu einem erfolgreichen Leben führt. Sie beeinflussen auch, wie wir Schönheit definieren. Beispielsweise streben heutzutage immer mehr Leute an, schlanker und größer zu sein oder in Bildern so zu erscheinen . Sie bearbeiten ihre eigenen Fotos, um mehr „Likes“ zu bekommen. Ich finde, dass das schon zu weit geht.

                                                                                             
Wer beeinflusst unsere Meinungen über das Konzept Schönheit?

Durch sogenannte Selfies, die ein wichtiger Bereich der Selbstpräsentation in den sozialen Medien sind, entwickelt sich das Bewusstsein sogar eine Sucht, die eigene Präsentation in den sozialen Medien zu verbessern. Eine Studie in Jahr 2015 hat bewiesen, dass die Bearbeitung der eigenen Fotos das Gefühl der Zufriedenheit von Mädchen zerstört: Sie kümmern sich um ihr eigene Aussehen, ihre Figur und sind leider fast nie damit zufrieden. Es gibt Unterschiede zwischen der Selbstwahrnehmung der Mädchen auf ihren eigenen Bildern und der Beurteilungen von Anderen. 

Außerdem spielen die sogenannten „Influencer“ in sozialen Medien im  Bewusstseinswandel der Internetnutzer auch eine sehr wichtige Rolle. Die Influencer in sozialen Medien veröffentlichen Fotos über ihr „Real Life“ und ziehen durch unterschiedliche Weise zahlreiche Follower an. Durch Vergleich des perfekt erscheinenden Lebens mit dem Eigenen finden die Follower nicht nur das Gefühl von Frust sondern auch die Identifikationsmöglichkeit mit den Influencer. Beauty-Influencer, wie einige Schönheits-Blogger, begünstigen durch ihre Veröffentlichung von Bildern und Kommentaren in berühmten sozialen Netzwerken wie YouTube und Instagram, die Meinung, dass Schönheit ein Schlüssel zu Erfolg ist.

Ich will sehen, wer du wirklich bist!

Wir blicken hinter die Fassade der sozialen Netzwerke. Auf der Suche nach der Wahrheit, stoßen wir auf den Hashtag #fürmehrrealitätaufinstagram, auf Resignation und Gegenwehr. Geben Menschen eine Stimme, die zu den Protagonisten ihrer eigenen Inszenierung geworden sind und flüchten wollen – ins Netz oder dort heraus.

Aufgelöst und unter Tränen erzählt Essena O’Neill „The Truth“ und beendet damit einen Abschnitt ihres Lebens, der nur auf sozialen Medien stattgefunden hat. In einem YouTube-Video verabschiedet sich die damals 19-jährige Bloggerin von ihren rund 600 000 Followern. Sie widmet diese Zeilen ihrem 12-jährigem Ich, das den Schönheitsidealen anderer hinterherjagte. Für ihr eigenes Spiegelbild empfand sie nur Hass und Kritik. Bis heute ist Essena von der Bildfläche verschwunden, um zum ersten Mal seit Beginn ihrer Karriere ein echtes Leben zu führen.

SOCIAL MEDIA IS NOT REAL

Essena erhielt Applaus und wurde von ihren Fans gefeiert. Sie hatte das, wovon andere Mädchen träumten. Einen Modelvertrag. Ein Model an ihrer Seite. Sie stand auf dem Zenit ihrer Karriere. Bis zum plötzlichen Cut. Blackout. Funkstille. Die Influencerin löscht sämtliche Social-Media-Profile. In einem letzten Newsletter enthüllt sie die Wahrheit über bezahlte Anzeigen und die Kultur der Influencer. Löst damit eine Welle der Gegenwehr aus. Auch ihren Followern widmet sie einige Zeilen. „I pushed away all my old friends and anyone who knew me for me (goofy, nerdy Essena – not the teen idle [=idol]). I talked ill of my old friends and only hung out with social media people… I made that choice.“  

Zeilen der Erklärung, der Verzweiflung und des Appells. Essena zeigt sich angreifbar und verletzlich. „I don’t blame anyone for my actions or how much I was absorbed by social media, my appearance and this 2D world. It was me, I was being deceitful, I was lost, I was sick and I needed serious help. But of course I didn’t know that at the time. At the time I thought more money, more of these friends, being thinner…that would solve this internal misery.“ 

Nach außen hin inszenierte sie das perfekte Leben, gewann in dieser Zeit sogar deutlich an Followern. Feierte. Bereiste die Welt. Stürzte sich in Romanzen. „I was so completely lonely and miserable inside. I hid it from everyone. I smiled and laughed in pictures and vlogs. No one knew I had what now is described as social anxiety disorder, depression, body dimorphic. I felt exhausted trying to keep up this bubbly, funny, happy façade. I used people, and time after time let people use me.“ Den kompletten Newsletter findest du hier.

Wenn die vergangenen Zeilen es auch vermuten lassen: Essenas Ausstieg geschah nicht wortlos. Bereits einige Wochen zuvor änderte die Influencerin die Captions [=Bildbeschreibungen] ihres Profils und enttarnte damit nicht nur sich selbst, sondern auch ein ganzes Kartell von Fotografen, Unternehmern. Sie gab an, wie der Großteil ihrer Aufnahmen in Wirklichkeit entstanden sei. Geträu dem Motto „sex sells“ und „people listen to pretty blondes.“ Immer danach bestrebt, Perfektionismus vorzuleben. Innerhalb weniger Tage bearbeitete Essena unzählige ihrer Fotos auf diese Weise.

IHR WEG ZUM AUSSTIEG

Den Link zu Essenas Video „The Truth“ findest du hier.

Doch Essena ist nicht die Einzige, die sich mehr Realität auf den sozialen Netzwerken wünscht. Die aktuelle Bewegung #fürmehrrealitätaufinstagram setzt sich nicht nur dafür ein, dass Bilder nicht mehr bearbeitet werden sollen. Die Beiträge unter dem Hashtag zeigen Alltagssituationen, Niederlagen, ungeschminkte Gesichter – Kurz: Die Realität.

Der Hashtag #fürmehrrealitätaufinstagram wurde von Louisa Dellert und Jan Körber Anfang 2016 ins Leben gerufen. Der Fokus wird so auf die ungekünstelte Welt auf Instagram gelegt – fernab von Schönheitsidealen, Foto-Filtern und gestellten Bildern. Bisher wurden rund 121.500 Beiträge veröffentlicht.

Vergrößern

Unbenannt-2
Häufige Hashtag-Kombinationen mit dem #fürmehrrealitätaufinstagram

 Rund 88% der Fotos stammen von Frauen, die sich insbesondere mit den Themenbereichen Ernährung, Sport und Familienleben beschäftigen.

DIE WAHRHEITSBEWEGUNG

Mia liebt das Laufen. Ihre sportlichen Erfolge, aber auch Niederlagen dokumentiert sie auf ihrem Instagram-Profil @miamarokazaro. Sie selbst ist verheirat, zweifache Mutter und arbeitet als Krankenschwester. Seit dem 20. März 2016 lässt sie auf Instagram rund 440 Follower an ihrem Alltag teilhaben – an sportlichen Aktivitäten, Kochexkursen und ihrem Familienleben. Immer wieder veröffentlicht sie ihre Fotos auch unter dem Hashtag #fürmehrrealitätaufinstagram. Ungeschminkt und gut gelaunt erzählt sie zwischen Spülmaschinenrauschen und Soßenköcheln von ihrer Motivation, ihr Profil nicht nach den Ansprüchen anderer auszurichten.

Küchentalk mit Mia.

Felix lebt für den Sport. Auf seinem Profil luft.nach.oben stemmt er nicht nur Gewichte, sondern nimmt auch regelmäßig an Marathons teil. Auf Instagram ist der Sportler seit dem 09. Januar 2017 aktiv. Mittlerweile hat er bereits rund 3.160 Follower. Gemäß seinem Instagram Status „Let people learn who you are, then let them watch you develop into what you want to become“,  steht er beispielhaft für die Generation der Selbstoptimierer. Anabolika und Steroiden sagt er dennoch den Kampf an. Und auch auf Social Media möchte er sich für mehr Wahrheit einsetzen, denn auch beim Training gibt es immer wieder Rückschläge.

Was bedeutet Wahrheit für dich?

„[…]dass das, was du erzählst von der Realität gedeckt ist.“

Felix selbst beschreibt Wahrheit als einen der navigierenden Werte in seinem Leben, der sich durch alle Bereiche zieht.

„Ich glaube, es ist ein sehr sehr wichtiger Wert, der gerade in diesem Zeitalter, in dem wir leben, mit Social Media und so, gerne mal ins Hintertreffen gerät.“

Aber gerade durch die digitalen Entwicklungen wird es immer wichtiger, den Wert der Wahrheit zu pflegen und zwischen Wahrheit und Inszenierung differenzieren zu können.

Was hat dich dazu bewegt, unter dem Hashtag zu posten?

Digitalität verdrängt Wahrheit. Inszenierung verblendet Realität. Um dem Bedeutungsverlust von Wahrheit entgegenzuwirken, hat auch Felix unter dem Hashtag gepostet. Er findet, dass auch auf sozialen Netzwerken alles wahrheitsgemäß präsentiert werden sollte.

„Ich fänds einfach schöner, wenn die Leute transparenter mit ihren Aussagen wären und auch mit ihrem Leben, das sie dort dann präsentieren.“

Für Felix schadet das Verbreiten falscher Inhalte im Endeffekt nicht nur einem selbst, sondern auch den Followern, die sich mit den dargestellten Leben vergleichen und diese als Ideale setzen – Ideale, die nicht existieren, die unerreichbar sind.

„Weil, wenn du etwas hinterherjagst, was du im Endeffekt gar nicht erreichen kannst, dann ja ist das ja so ein bisschen wie eben Windmühlenkämpfen und du hast am Ende nichts davon.“

Wie stehst du zu Social Media?

Jeder ist selbst dafür verantwortlich, wie er soziale Netzwerke nutzt und somit auch für die daraus resultierenden Wirkungen. Dass diese nicht immer nur positiv sind, sieht auch der Blogger von @luft.nach.oben:

„Denn man muss auch ganz klar sagen, die Plattformen sind so designt, dass sie süchtig machen. Gerade Instagram ist eine wahnsinnig oberflächliche Plattform, da geht es ganz viel darum, wie Dinge aussehen.[…] Und ich glaube, dass das bei Personen, die mit sich selbst nicht im Reinen sind oder eine Tendenz dahin haben, dass sie sagen, sie sind nicht mit sich selbst zufrieden, dass das das noch einfach verstärken kann.“

 Man stellt schnell fest: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

„Deswegen ist es glaub ich mit Vorsicht zu genießen. Ich denke immer die Dosis macht das Gift und auch sozusagen der Umgang damit. Das heißt, ich finde, man sollte diese Plattform auch immer mit einem Ziel nutzen […]“

Du willst mehr von Felix hören? Dann folge seiner Spotify Playlist.

Überdachtes Rezipieren, statt kopfloses Konsumieren. Auch wenn soziale Medien meist nur der Zerstreuung und Unterhaltung dienen, gibt es immer wieder auch Nutzer, denen die Grenze zwischen Realität und Online-Inszenierung nicht klar ist. Für manche findet der Großteil des Lebens online statt. Stets auf der Suche nach Perfektion und Inspiration, geraten Wahrheit und Ehrlichkeit in den Hintergrund. Aus diesem Grund sind Statements, wie  der Austritt von Essena O’Neill oder Bewegungen, wie #fürmehrrealitätaufinstagram, wichtige Schritte in Richtung Wahrheit in sozialen Netzwerken.

Wer sind wir und wen präsentieren wir online?

Das Buch „Bloglife – Zur Bewältigung von Lebensereignissen in Weblogs“ von Elisabeth Augustin behandelt das Verhalten von Jugendlichen in sozialen Netzwerken und im virtuellen Raum. Die Medienwissenschaftlerin arbeitet an der Universität Graz im Bereich Lehrentwicklung und hat sich intensiv mit den Auswirkungen von Internet-Blogs auf die Identitätsbildung beschäftigt.

„Die Online-Repräsentation des Selbst kann wie vor einem Spiegel so lange zurechtgezupft werden, bis das Ergebnis zufriedenstellend ist und dem aktuellen Selbstbild oder einem Ideal davon entspricht.“

Doch woher stammen unsere Ideale? Sind es wirklich eigens konzeptualisierte Gedanken oder bieten Soziale Netzwerke erst die Möglichkeit, den Vergleich mit anderen herzustellen? Sind wir uns überhaupt darüber bewusst, wer uns auf Online-Plattformen den Spiegel vorhält und an welchen idealisierten Fragmenten seines Lebens er uns teilhaben lässt? Insbesondere für die zukünftigen Generationen, die als Digital Natives aufwachsen, wird es wichtig sein, eine Medienkompetenz zu erlangen, die dabei hilft, das reale Leben von der inszenierten Realität anderer zu unterscheiden. Denn „Identität meint keinen stabilen, inneren Kern. Vielmehr muss Identität als Prozess beschrieben werden.“ Durch die sozialen Medien wird dieser Entwicklungsprozess stark beeinträchtigt und verzerrt. Die Unterscheidung zwischen real und online wird zunehmend schwerer, die Grenze verschwimmt. Auch wenn der Großteil der Identitätsbildung im Offline-Leben stattfinden sollte, können die digitalen Entwicklungen nicht außer Acht gelassen werden.

„Identität braucht Medien, um sich darin ausdrücken und entäußern zu können. Technische Artefakte sind bei der Identitätskonstruktion von Bedeutung. Digitale Medien wie Chats, soziale Netzwerke und Webblogs werden zunehmend privat und beruflich intensiv und identitätsrelevant genutzt.“

Doch genau dann, wenn man die Medien in den Prozess der Identitätsentwicklung miteinbezieht, muss die Grenze um die Wahrheit klar gezogen werden. Auch wenn das Netz viele positive Beiträge zum Selbstbild liefern kann, so kann es auf bestimmte Typen auch toxisch wirken.

„Der virtuelle Raum vermag für Identitätskonstruktionen vieles zu leisten. Er ermöglicht einen (…) Umgang mit  Identitätsfacetten im Schutz der Anonymität.“

Doch sind wir wirklich so anonym, wie es scheint? Immer mehr Bereiche des Alltagslebens verlagern sich auf den Online-Bereich. Immer mehr unserer persönlichen Daten landen im Netz. Wir kreieren Online-Persönlichkeiten, optimierte und perfektionierte Hüllen, deren Fassade den wahrheitsgemäßen Inhalt aufpolieren und verblenden. Eine scheinbar zweite Realität wird präsentiert, sozusagen eine verbesserte Form. Eine Form, die die ganze Online-Community sehen darf, die uns dann zeigt, ob sie ihnen gefällt oder nicht.

Doch letztendlich dreht sich doch alles um die Person, die innerhalb der Ausschmückungen steht, die versucht sich darin wiederzufinden. Wie Essena O’Neill, die sich unter Tränen ihr echtes Leben wünscht oder wie Mia und Felix, die auch Niederlagen auf Instagram teilen. Die irgendwann nicht mehr auf die Stimmen anderer gehört haben, oder sich mit ihnen messen wollten. Die beschlossen haben, dass es weitaus mehr gibt als die Schein-Welten auf Instagram. Und die uns daran erinnern, das genau dieser Kern zählt. Das, was du wirklich bist!

Quelle: https://pixabay.com/de/

Wie soziale Medien das Selbstbild beeinflussen

Perfekte Brüste, perfektes Make-Up, perfekte Pose: Willkommen auf Instagram. Hier finden sich die Accounts von Celebrities, Influencern und Models. Und sie alle haben eins gemeinsam: Sie zeigen Bilder von schönen Menschen – perfekt in Szene gesetzt ohne Pickel, Falten oder Augenringe. Kylie Jenner ist eine von ihnen. Ihr Instagram-Account zählt mittlerweile 108 Millionen Follower. Damit ist sie in der Top-Liga der Influencer. Vor fünf Jahren hatte das Mitglied des berühmten Kardashian-Clans noch einen natürlichen Look. Heute, mit nur 20 Jahren, posiert sie auf ihren Bildern mit aufgespritzten Lippen und üppiger Oberweite. Was eine solche Veränderung ihren zum Teil noch jungen Anhängern vermittelt? Aussehen muss nicht mehr naturgegeben sein, sondern ist optional gestaltbar. Und zwar so, dass die eigenen Bilder am Ende so perfekt aussehen, wie die von Kylie Jenner.

Das wissen auch viele Schönheitschirurgen. Laut einer amerikanischen Studie sind 42 Prozent der Chirurgen der Ansicht, dass Patienten durch OP’s ihre Selfies für Social Media Plattformen verbessern wollen. Der auf Instagram propagierte, scheinbar perfekte Körper und die damit verbundene Relevanz der eigenen Schönheit wird für viele junge Erwachsene ein immer wichtigerer Teil des eigenen Lebensinhaltes.

Dieses Smartphone navigiert durch die Welt der Schönheitsoperationen und sozialen Medien. Ein Klick auf die jeweilige App gibt Einblick in diese Welt und zeigt Informationen und Hintergründe.

Bildquellen: pixabay.com