Valentina Ehgartner und Paula Schneider

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Leichter gesagt als getan…

… so ist das mit der „Leichten Sprache“! Diese vereinfachte Form der deutschen Sprache dient dazu, Texte, Artikel und Informationen auch für Menschen mit Lern- oder geistigen Behinderungen verständlich zu machen. Die größte Herausforderung? Fakten genauso richtig, genauso wahr darzustellen – ohne sich dabei komplizierter Formulierungen und Fremdwörter bedienen zu können.  Für die Übersetzung gibt es spezielle Prüfgruppen, die Texte für jeden verständlich machen. Zudem geht die Leichte Sprache weit über reine Informations-Texte hinaus: Auch der Buchmarkt öffnet sich immer mehr, auch Literatur wird in die Leichte Sprache übertragen. Zudem gibt es ein interessantes und aufwändiges Forschungsfeld, ja sogar eigene Studiengänge. Die Leichte Sprache schafft es auf ihre ganz eigene Art, Wahrheit darzustellen. Wer die verschiedenen Beiträge aufmerksam liest und es sich am Ende zutraut, kann den Selbstversuch wagen und eine kleine Passage übersetzen…

PrüfgruppeTheorieBuchmarktForschungSelbstversuch

Sie sitzen alle an einem großen Tisch.
Es gibt Wasser und Buchstaben-Kekse.
Sie haben ein Ziel:
Sie übersetzen Texte in Leichte Sprache.„Welcher Satz gefällt dir besser?
Nummer eins oder Nummer zwei?
Und denk dran, wenn du irgendwas nichts verstehst,
dann ist der Text falsch, nicht du.“
Markus Übelhör ist Sozialpädagoge.
Er hat verwuschelte Haare.
Er ist braun gebrannt
Er trägt ein graues T-Shirt.
Es ist locker.
So wirkt er nicht wie eine Aufsichts-Person.
Sondern wie ein Freund.
Er hilft.
Er ist der Leiter der Prüfgruppe für Leichte Sprache.
Die Gruppe trifft sich zwei mal im Jahr.
In der Gruppe sind nur Bewohner der Wohngruppe.
Sie gehören zur Lebenshilfe Passau.
Heute sind vier Frauen und drei Männer da.
Sie haben alle eine Behinderung.
Sie sind in der Lebenshilfe in Passau.

Leichte Sprache können sie besser verstehen.
Leichte Sprache gibt es seit über 20 Jahre.
Leichte Sprache ist für alle sehr wichtig.
Sie hilft vielen Menschen:
Menschen, die nicht so gut lesen können.
Menschen, die nicht so gut Deutsch sprechen.
Es gibt ein Heft.
Das gilt in ganz Deutschland.
Dort stehen Regeln und Tipps für Leichte Sprache.
Prüfen ist für Leichte Sprache sehr wichtig.
Prüfen gehört zur Leichten Sprache.
Menschen mit Lern-Schwierigkeiten prüfen die Texte.
Nur sie können sagen, ob ein Text leicht genug ist.

Klaus sagt: „Also ich bin der Klaus,
ich geh auch zum Schwimmen,
und zum Kegeln. Aber hier bin ich auch immer dabei.
Schon seit Anfang an.“
Er setzt seine Brille richtig auf.
Er hat graue Haare und einen dunkeln Schnauz-Bart.
Er schaut alle begeistert an.
Klaus ist seit 2009 bei der Prüfgruppe dabei.
Er macht das ehrenamtlich.
Markus Übelhör erklärt:
Die Bewohner helfen der Lebenshilfe.
Die Lebenshilfe braucht die Bewohner.
Die Bewohner und die Lebenshilfe arbeiten zusammen.
Markus lernt die Leichte Sprache in Linz.
Markus Übelhör gründet die Prüfgruppe.
Bewohner der Lebenshilfe Passau sollen
beim Qualitäts-Management mitmachen.
Deshalb übersetzen sie die Texte in Leichte Sprache.
Bewohner können dann auch beim
Qualitäts-Management arbeiten.

Markus übersetzt die Texte vorher.
Er schreibt oft verschiedene Beispiele für einen Satz auf.
Die Mitglieder entscheiden gemeinsam, welchen Satz sie besser verstehen.
Sie übersetzen wichtige Texte.
Zum Beispiel: Brandschutzverordnungen und Putzpläne.
Die Texte machen das Zusammen-Wohnen leichter.
Heute übersetzt die Prüfgruppe einen besonderen Text.
Markus sagt: „Ein Auftrag von ganz oben.“
Es geht um das Leitbild der Lebenshilfe Passau.
Die Gruppe beginnt mit der Überschrift: „Leitbild“
Markus gibt den Mitgliedern einen Zettel.
Links steht „Leitbild“ und rechts steht „Leit-Bild“.
„Leitbild“ verstehen die Bewohner besser.
Der Ratgeber „Leichte Sprache“ trennt zusammen-gesetzte Worte.
Aber die Arbeits-Gruppe entscheidet sich aber für „Leitbild“.
Corinna sagt: „Das andere sieht doch komisch aus.“
Corinna ist eine junge Bewohnerin.
Sie hat kurze Haare.
Und eine Brille mit einem dicken Rahmen.
Corinna ist heute zum ersten Mal dabei.
Sie weiß noch nicht, ob sie nächstes Mal wieder kommt.
Die Gruppe mag das Wort „Leit-Bild“ nicht.

Die Arbeits-Gruppe übersetzt die nächsten Zeilen.
Sie entscheiden zwischen: „im“ und „in einem“.
Markus sagt: „Wenn du eine klare Meinung hast,
dann kannst du mir den Zettel geben.“
Die Arbeits-Gruppe entscheidet alleine.
Markus fragt: „Kannst du den Satz in deinen
eigenen Worten erklären?“.
Er gibt der Arbeits-Gruppe Zeit.
Das Arbeiten in der Arbeits-Gruppe dauert lange.
Aber nur Menschen mit Lern-Schwierigkeiten können sagen,
ob ein Text leicht genug ist.
Markus sagt: „Ich habe keine Lern-Schwierigkeit.
Ich kann den Text nicht in Leichte Sprache übersetzen.
Nur Menschen mit Lern-Schwierigkeit können übersetzen.
Die Texte muss man prüfen.
Nur ein geprüfter Text ist ein Text in Leichter Sprache.“

Es ist sehr schwer.
Ein Mensch mit Lern-Schwierigkeit schämt sich.
Er versteckt sich, weil er den Text nicht versteht.
Das sagt er aber nicht.
Es muss klar sein:
Wenn ich es nicht verstehe, ist der Text falsch – und nicht ich!
Die Arbeits-Gruppe ist nach einer Stunde fertig.
Sie haben vier Zeilen übersetzt.
Die Arbeit ist sehr anstrengend.
Prüfen ist aber sehr wichtig für alle.
Die Lebenshilfe freut sich.
Die Arbeits-Gruppe freut sich auch.

* Die Texte in Leichter Sprache wurden mithilfe des Ratgebers für Leichte Sprache übersetzt, jedoch nicht von Menschen mit Lern- Schwierigkeiten geprüft! Wir übernehmen keine Gewähr für Richtigkeit und Verständlichkeit.

Sie sitzen rundherum an einem großen Tisch in der Mitte eines Gruppenraums. Zwischen Gläsern, Getränken und Zetteln stehen Teller mit Keksen in Buchstabenform – passend zu dem großen Ziel, das sie sich gefasst haben. Sie wollen heute Texte in Leichte Sprache übersetzen. „Welcher Satz gefällt dir besser, Nummer eins oder Nummer zwei? Und denk dran, wenn du irgendwas nichts verstehst, dann ist der Text falsch, nicht du.“ Sozialpädagoge Markus Übelhör steht vor der Prüfgruppe für Leichte Sprache. Mit zerwuschelten Haaren, braun gebrannt und in grauem, locker sitzendem T-Shirt wirkt er weniger wie eine Aufsichtsperson, viel mehr wie ein Freund. Er ist der Leiter des halbjährlichen Treffens dieser Gruppe, die sich aus aus Bewohnern der Wohngruppen der Lebenshilfe Passau zusammensetzt.

Heute haben sich vier Frauen und drei Männer im Gebäude der Lebenshilfe eingefunden, alle haben eine geistige Behinderung.Die Leichte Sprache, welche seit rund 20 Jahren in ganz Europa verbreitet wird, stellt eine vereinfachte Form der deutschen Sprache dar. Mithilfe dieser soll auch Menschen mit Lern-Schwierigkeiten oder geistigen Behinderungen, sowie Fremdsprachlern der Zugang zum Deutschen erleichtert werden.
Hierzu wurde im Jahr 2006 auch ein deutschlandweit geltendes Regelwerk verfasst. Darin befinden sich viele Vorschriften und Vorlagen, wie das Deutsche verändert werden sollte, um von allen verstanden zu werden. Obwohl bei der Gestaltung auch Menschen mit geistiger Behinderung mitarbeiten, wird dringend empfohlen, jeden übersetzten Text vor der Veröffentlichung noch einmal überprüfen zu lassen. Genau das wird heute getan.

Wenn du was nicht verstehst, dann ist der Text falsch - nicht Du!
  • Hier wird heute mit Buchstaben gespielt: Texte werden in leichte Sprache übersetzt.

„Also ich bin der Klaus, ich geh auch zum schwimmen und zum Kegeln, aber hier bin ich auch immer dabei, schon seit Anfang an.“ Der grauhaarige Mann mit dem dunklen Schnauzer rückt seine Brille zurecht und blickt begeistert in die Runde. Er zählt zu den Urgesteinen der Prüfgruppe. Schon seit 2009 nimmt er an den regelmäßigen Treffen teil – selbstverständlich ehrenamtlich. „Das ist sozusagen eine Win-Win-Situation“, erklärt Markus Übelhör. „Die Bewohner leisten einen wichtigen Beitrag für die Lebenshilfe und haben gleichzeitig das Gefühl gebraucht zu werden“. Die Idee zur Prüfgruppe entstand, als der Sozialpädagoge vor neun Jahren dazu aufgefordert wurde, die Bewohner an den verschiedenen Prozessen des Qualitätsmanagements teilhaben zu lassen. Daraufhin bildete er sich bezüglich der Leichten Sprache im Linzer Institut für barrierefreie Informationstechnologie weiter.

Als Leiter der Gruppe leistet er seitdem die Vorarbeit und überträgt den Text schon im Vorhinein in die Leichte Sprache, meist in verschiedenen Versionen. Die Teilnehmer können dann gemeinsam entscheiden, welche Variante sie besser verstehen oder welche ihnen besser gefällt. Übersetzt wird alles, was eben gerade in Leichter Sprache benötigt wird. Meist handelt es sich dabei um informative Texte wie die Brandschutzverordnung oder Putzpläne, die Betreuern und Bewohnern das Zusammenleben erleichtern.

Heute aber gilt es, etwas ganz Besonderes zu übersetzen. „Ein Auftrag von ganz oben“, so Übelhör. Das Leitbild der Lebenshilfe soll nämlich in die Leichte Sprache übertragen werden. Begonnen wird mit der Überschrift, dem einzelnen Wort „Leitbild“. Hierfür verteilt der Leiter an alle Mitglieder einen Zettel. Auf diesem steht links „Leitbild“, rechts „Leit-Bild“, sie sollen die besser verständliche Hälfte des Papieres abreißen und ihm zurückgeben. Da es für Menschen mit geistiger Behinderung oft einfacher ist, zusammengesetzte Worte zu erkennen und zu verstehen, werden lange Worte meistens aufgeteilt. So schreibt es auch das Regelwerk vor. Doch das Ergebnis ist erstaunlich: Sechs der sieben Teilnehmer entscheiden sich nämlich für die normale Variante, das Wort „Leitbild“ bleibt also stehen. „Das andere sieht doch komisch aus“, so Corinna. Sie zählt zu den jüngeren Bewohnern, trägt raspelkurze blonde Haare, eine Brille mit dickem Rahmen und ist heute das erste Mal bei dem Treffen. Sie will es sich noch überlegen, ob sie in Zukunft regelmäßig teilnimmt.

Das ist eine Win-Win-Situation.

Zeile für Zeile geht es nun weiter daran, sich für den richtigen Text zu entscheiden. Teilweise machen nur kleine Worte den Unterschied, hier soll jetzt zum Beispiel eine Entscheidung zwischen „im“ oder „in einem“ getroffen werden. „Wenn du eine klare Meinung hast, dann kannst du mir den Zettel geben“, erklärt Markus Übelhör. Er will die Teilnehmer nicht bei ihrer Entscheidung beeinflussen und tritt so bewusst einen Schritt zurück, während sie eine Wahl treffen. Er fragt immer wieder nach, ob sie den Satz in ihren eigenen Worten wiedergeben können. So versucht er sicherzustellen, dass alle mitkommen und den Text wirklich verstehen.

Dieses Vorgehen ist vor allem eines: zeitintensiv. Es ist die einzige Möglichkeit, die es für eine korrekte Übersetzung gibt: „Grundsätzlich ist es so, dass ich, wenn ich keine Lernbehinderung hab, auch keinen Text in Leichter Sprache schreiben kann. Ich weiß ja gar nicht, ob das jemand mit Lernbehinderung versteht, da kann ich nur mutmaßen. Eigentlich kann ein Text auch gar nicht als ein Text in Leichter Sprache bezeichnet werden, wenn er nicht überprüft wurde.“, erklärt Übelhör.

„Eine besondere Schwierigkeit ist außerdem folgende: Ein Mensch mit Behinderung, der schämt sich für seine Behinderung. Der hat sein ganzes Leben lang gelernt zu verstecken, dass er etwas nicht versteht. Dem muss jetzt klar werden: Wenn ich’s nicht verstehe, ist der Text falsch – und nicht ich!“ Nach einer Stunde hat der Sozialpädagoge ein Ergebnis: Vier Zeilen wurden übersetzt. Es ist ein Anfang und nach und nach wird so jeder Text für jeden verständlich. So aufwändig und mühsam die Arbeit mit der Prüfgruppe also ist, genauso notwendig ist sie auch. Sowohl für die Lebenshilfe als auch für jeden einzelnen Teilnehmer – alle profitieren.

Leichte Sprache macht Wahrheit konkret.

Was genau macht die leichte Sprache aus der normalen, schweren Sprache? Besteht bei der Übersetzung eine Schwierigkeit, Sachverhalte faktisch richtig und wahrhaftig darzustellen? Geht bei der Übertragung in die leichte und einfache Sprache etwas verloren? Zum einen handelt es sich dabei um eine Art der Übersetzung. Ob man nun vom Englischen ins Deutsche oder vom Schweren zum Einfachen übersetzt – es ist nicht das Gleiche.

Stattdessen schafft die einfache und leichte Sprache jedoch etwas ganz Besonderes: Laut dem Sozialpädagogen stellt sie Fakten, Daten und Co. – kurz: die Wahrheit – nämlich viel konkreter dar, als die schwere Sprache das je könnte. Schließlich können keine komplizierten, oft schwammige Fremdwörter mehr verwendet werden. Jetzt muss genau das geschrieben werden, was auch gemeint ist. Drumherum-Reden, bzw. -Schreiben funktioniert also nicht mehr. Und auf genau diese Art, schafft die leichte Sprache eine ganz neue Art, eine neue Stufe von Wahrheit: Die konkrete, klar formulierte und deutlich ausgedrückte Wahrheit.

Die Geschichte von der Leichten Sprache.
Die Idee für Leichte Sprache kommt aus England.
Dort schreibt man: „easy to read“.
Das heißt „leicht zu lesen“.
Die Idee kommt dann nach Deutschland.
Das „Mensch-Zuerst“-Netzwerk People First Deutschland e.V.
arbeitet mit Menschen mit Lern-Schwierigkeiten.

Es gibt auch „einfache Sprache“:
Die Texte in einfacher Sprache sind ohne Fachbegriffe.
Aber Texte in „Leichter Sprache“ sind noch genauer.

Dem Netzwerk gefällt die Idee aus England.
Eigentlich wollen sie Bilder in die Texte machen,
damit die Texte schön aussehen.
Aber alle Länder machen das anders.

Die ersten Regeln macht die Inclusion Europe 1998.
Die Regeln stehen in einem Buch.
Das Buch heißt: „Sag es einfach“.
Die Leichte Sprache hilft nicht nur Behinderten.

Es gibt auch Regeln für die Übersetzung in die Leichte Sprache.
Die Regeln sind Gesetze.
Es gibt das Bundes-Gleichstellungs-Gesetz, kurz: BGG.
Das Gesetz gibt es seit 1. Mai 2002.
Das Gesetz erklärt den Artikel 3. Absatz 3
aus dem Grundgesetz, kurz GG.
In Artikel 3 steht: „Behinderte darf man nicht ausschließen.”

Das BGG stellt Regeln für Behörden und Träger öffentlicher Gewalt auf.
Träger öffentlicher Gewalt
sagt man zu staatlichen Einrichtungen.
Damit sind Behörden oder Ämter vom Staat gemeint.
Die erste Regel aus dem BGG (Paragraph 1):
„Das Gesetz will eine Gleich-Behandlung von Behinderten.
Behinderte dürfen in der Gesellschaft dabei sein.
Behinderte dürfen selbst bestimmen, wie sie leben wollen.
Die Wünsche von den Behinderten sind wichtig.“

Paragraph 11 erklärt das besser.
Der Paragraph heiß: „Verständlichkeit und Leichte Sprache“
Absatz 1:
“Träger öffentlicher Gewalt sprechen mit den Behinderten
in einfacher, also leichter Sprache.
Sie geben den Behinderten vor allem Texte
für einen besseren Lebens-Alltag.”
Zum Beispiel:
Verträge.
Vordrucke.
Oder Bescheide.

Absatz 2:
“Wenn Absatz 1 nicht genug ist, dann müssen
Träger öffentlicher Gewalt den Behinderten
Texte für einen besseren Lebens-Alltag geben.
Sie erklären in diesen Texten, wie du etwas machen musst.
Zum Beispiel:
Verträge.
Vordrucke.
Oder Bescheide.

In Deutschland gibt es ein Regelwerk für Leichte Sprache.
In dem Regelwerk stehen Regeln für Leichte Sprache.
Das Regelwerk ist vom Bundes-Ministerium
für Arbeit und Soziales, kurz: BAMS.
Es heißt: „Leichte Sprache – Ein Ratgeber“.
Das „Netzwerk Leichte Sprache“ gibt es seit 2006.
Das Netzwerk gehört zu People First.
Das ist Englisch und heißt „Menschen zuerst“.
Das Regelwerk ist eine Hilfe für Behörden.
Mit dem Regelwerk können sie Texte in Leichte Sprache übersetzen.

In dem Regelwerk finden sie Tipps.
Die Regeln helfen den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen
in Ämtern und Behörden beim Schreiben
von Texten in Leichte Sprache.
Das Regelwerk ist aufgeteilt in Gruppen:
-Regeln für Wörter
-Regeln für Zahlen
-Regeln für Sätze
-Regeln für Texte
-und Regeln für Gestaltung und Bilder.

Sehr wichtig: Prüfen gehört zur Leichten Sprache.
Nur die Prüfer können sagen, ob ein Text leicht genug ist.
Es gibt auch Beratungs-Stellen.
Eine davon heißt ProFamilia.
ProFamilia bietet Informationen zu verschiedenen Themen an.
– Informationen über Verhütung
– Informationen über Sexualität
– und Informationen über Hilfe durch Geld.
Die Informationen gibt es auch in Leichter Sprache.
Alle sollen die Informationen verstehen.

* Die Texte in Leichter Sprache wurden mithilfe des Ratgebers für Leichte Sprache übersetzt, jedoch nicht von Menschen mit Lern- Schwierigkeiten geprüft! Wir übernehmen keine Gewähr für Richtigkeit und Verständlichkeit.

Das Konzept der „Leichten Sprache“ bzw. der „Einfachen Sprache“ stammt ursprünglich aus dem englischsprachigen Raum. Die beiden Bezeichnungen werden oft als Synonym verwendet, unterscheiden sich jedoch bezüglich ihrer Zielgruppe: Während die Leichte Sprache auf Menschen mit kognitiven Behinderungen oder Lernschwierigkeiten abzielt, richtet die Einfache Sprache sich eher an solche Menschen, die komplizierte Fach- und Alltagssprache nicht verstehen. Heutzutage findet man aber oft Texte, Bücher und Dokumente, die beiden Standards entsprechen könnten.

Unter dem Begriff „easy to read“ wurden die Einfache und später auch die Leichte Sprache in Deutschland durch das „Mensch Zuerst“-Netzwerk People First Deutschland e.V. gemeinsam mit Menschen mit Lernschwierigkeiten aufgegriffen und weiterentwickelt. Das ursprüngliche Konzept sah es vor, Texte durch Bilder, Design und Typographie zu unterstützen. Die Umsetzung gestaltet sich in vielen Ländern jedoch unterschiedlich.

Das erste hierzu publizierte Regelwerk unter dem Namen „Sag es einfach“ wurde 1998 von der Inclusion Europe herausgegeben. Bei der Leichten Sprache handelt es sich mittlerweile aber nicht mehr nur um ein Hilfsprojekt zur Unterstützung geistig Behinderter. Stattdessen sind ihre Anwendung und die Übersetzung bestimmter Dokumente rechtlich geregelt und gesetzlich vorgeschrieben. Am 1. Mai 2002 trat das Behindertengleichstellungsgesetz, kurz BGG in Kraft. Es beruht auf dem Artikel 3 Abs. 3 des Grundgesetzes, welcher besagt:

„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“

Das BGG richtet sich unter anderem an Behörden und Träger öffentlicher Gewalt und nimmt diese in die Verantwortung. So besagt der erste Absatz des Paragraph §1:

§1 Abs.1

§11 Abs. 1

§ 11 Abs.2

Um deutschlandweit eine einheitliche Struktur in der Umsetzung der leichten Sprache zu gewährleisten, veröffentlichte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Zusammenarbeit mit dem 2006 gegründeten „Netzwerk Leichte Sprache“ ein Regelwerk unter dem Namen “Leichte Sprache – Ein Ratgeber”. Der Ratgeber dient dem Zweck, die leichte Sprache insbesondere in den Bundesbehörden zu verbreiten und bietet einen Leitfaden, Regeln und Tipps zur Vereinfachung von Fachsprache. Er richtet sich an Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung und fungiert so als Empfehlung, Dokumente und Texte zu erstellen.

Die konkreten Regeln beziehen sich im Ratgeber auf die Darstellung und Schreibweise von Wörtern, Zahlen, Zeichen, Sätzen und Texten. Zudem empfiehlt der Ratgeber, jedes „übersetzte“ Dokument erneut von einer Prüfgruppe verbessern zu lassen: Nur so kann man sicherzugehen, dass der Text wirklich verstanden wird. Um Menschen mit Lern- oder geistigen Behinderungen zu unterstützen, stellen auch Beratungsstellen wie ProFamilia viele Aufklärungsbroschüren in leichter Sprache zur Verfügung. Diese befassen sich oft mit Themen wie Verhütung, Sexualität oder soziale, finanzielle Unterstützung. Themen, über die alle Menschen informiert werden sollten.

Broschüren zum Download

Der Buchmarkt ist ein Ort, wo man Bücher kauft.
Buchmarkt bedeutet alle Geschäfte, wo es Bücher gibt.
Sprache gibt Informationen weiter.
Aber sie kann uns auch unterhalten.
Oder gibt uns neue Freunde.
Oder ein eine fremde Welt entführen.
Das macht sie in Büchern.

Es gibt eine Einrichtung, die heißt: Regens Wagner.
Die Einrichtung will, dass viele Menschen Bücher
in Leichter Sprache kennen.
Die Einrichtung macht Lesungen.
Zu der Lesung dürfen allen Menschen kommen.
Dort lesen sie Bücher in Leichter Sprache.
Am 11. Juli 2017 gab es die erste Lesung.
Die Lesung ist in Buchloe.
Im Oktober gibt es wieder eine Lesung.

Die Leiterin der Lesung „Offene Hilfen Ostallgäu“
fragt in einer Bibliothek.
Die Leiterin heißt Barbara Schneider.
Sie will wissen, ob es Bücher in Leichter Sprache gibt.
Die Leiterin der Bibliothek hat keine Bücher in Leichter Sprache.
Sie heißt: Sabine Schneider.
Sabine Schneider sucht Bücher in Leichter Sprache.

Bücher gehören zur Kultur.
Kultur ist alles was von Menschen gemacht worden ist.
Und alles was von Menschen erfunden worden ist.
Kultur ist auch wie Menschen Zusammen-leben
Es gibt auch keine Bücher in den großen Geschäften.
Sie sagt: „Ich suche in den Buch-Geschäften.
Aber ich finde keine Bücher in Leichter Sprache.
Es gibt Bücher für Kinder. Diese Bücher kann man leicht lesen.
Aber das ist nicht interessant für die Menschen mit
Lern-Schwierigkeiten.“

Migranten können Kinderbücher gut lesen.
Migranten sind Menschen auf der Flucht.
Aber der Inhalt ist für Kinder.
Die Menschen wollen aber Bücher für Erwachsene lesen.
Es gibt auch keine Bücher in den großen Geschäften.

Es gibt eine Druckerei, die heißt: „Spaß am Lesen“.
Sie druckt Bücher. Es heißt auch: Verlag.
Der Verlag macht viele Bücher.
Erst macht er Bücher für einfache Sprache.
Aber seit 2017 gibt es auch Bücher in Leichter Sprache.
Ein Autor ist eine Person die etwas geschrieben hat.
Zum Beispiel ein Buch.
Es gibt Autoren, die ein ganzes Buch in einfacher Sprache schreiben.
Eine Autorin heißt zum Beispiel: Marion Döbert.
Sie schreibt ein Buch, das heißt: „Zum Nachtisch Leben!“.

Es gibt aber keine einfachen Bücher in den großen Geschäften.
Auch im Internet ist das schwer.
Es gibt keinen extra Bereich für diese Bücher.
Wer nach Bücher in „Einfacher“ oder „Leichter“ Sprache sucht,
findet nur einen Ratgeber.
Aber Bücher, also Literatur, gibt es hier nicht.
Der „Spaß am Lesen Verlag“ weiß nicht, wo seine Bücher sind.
Es gibt Zwischen-Händler.
Die Bücher sind überall verteilt.

In München gibt es eine Bibliothek-Landes-Fach-Stelle.
Sie kennt das Angebot von Büchern in Leichter Sprache erst,
wenn eine Bücherei Geld für Bücher in Leichter Sprache braucht.
In Büchern stehen Informationen.
Bücher lesen macht aber auch Spaß.
Menschen können sich beim Buch-lesen entspannen.
Es ist wichtig, dass es viele Bücher in Einfacher und
Leichter Sprache gibt.
Es ist wichtig, dass viele Menschen wissen, dass es
diese Bücher gibt.

Aber Sabine Schneider hat eine Idee:
Sie macht ein Regal in ihrer Bibliothek nur für Bücher
in Leichter Sprache.
Diese Bücher holt sie zum Beispiel vom „Spaß am Lesen Verlag“.
Es gibt keine andere Möglichkeit.
Das ist schwierig.
Aber es ist Sabine wichtig.
Es ist wichtig, dass viele Menschen wissen, dass es
diese Bücher gibt.

Der Buchmarkt ist sehr groß.
Es ist schwer, Bücher in einfacher oder leichter Sprache zu finden.
Beim „Spaß am Lesen Verlag“ gibt es viele solche Bücher.
Aber wo gibt es die Bücher noch?
Menschen mit Lern-Schwierigkeiten können diese Bücher
nicht schnell finden.
Aber die Menschen brauchen Barriere-Freiheit.
Das heißt sie dürfen nicht ausgeschlossen werden.
Alle Menschen müssen etwas benutzen können.
Ohne Betreuer wissen diese Menschen nicht,
wo es diese Bücher gibt.

Die Einrichtung „Regens Wagner“ ist ein gutes Vorbild.
Im Oktober gibt es eine Lesung mit Büchern in Einfacher
und Leichter Sprache.
Vorbilder sind toll. Andere sollen auch so sein.
Sie sollen auch so etwas machen.

Diese Lesungen soll es öfter geben.
Sie sollen auch größer sein.
Die Lesung zeigt den Menschen mit Lern-Schwierigkeiten
die Kultur der Gesellschaft.
Sie gehören dann noch mehr dazu.

* Die Texte in Leichter Sprache wurden mithilfe des Ratgebers für Leichte Sprache übersetzt, jedoch nicht von Menschen mit Lern- Schwierigkeiten geprüft! Wir übernehmen keine Gewähr für Richtigkeit und Verständlichkeit.

Doch Sprache kann noch so viel mehr, als Informationen weitergeben: Sie kann uns unterhalten, neue Freunde treffen lassen und uns in fremde Welten entführen: In Büchern. Daher entschloss sich die christlich-soziale Einrichtung Regens Wagner im vergangenen Jahr, regelmäßige und öffentliche Lesungen von Büchern in leichter Sprache anzubieten. Die Einrichtung hat verschiedene Standpunkte in ganz Bayern und betreut dort Menschen mit den verschiedensten Behinderungen. Ausgehend von den „Offenen Hilfen Ostallgäu“ fand zum ersten Mal am 11. Juli 2017 eine Lesung in den Buchloer Räumlichkeiten statt. Auch diesen Oktober soll eine solche Lesung veranstaltet werden, diesmal in der Buchloer Stadtbibliothek. Während der Vorbereitungen zu dieser Lesung setzte sich die Bereichsleiterin der „Offenen Hilfen Ostallgäu“, Barbara Schneider, mit der Bibliotheksleiterin Sabine Schneider in Verbindung, um an geeignete Bücher zu gelangen. Im Zuge dieser ersten Absprachen stellte sich heraus, dass die Bibliothekarin selbst noch nie in Kontakt mit Büchern in leichter Sprache kam, in der Bücherei selbst war nicht ein leichtes Buch zu finden. Daraufhin entschloss sich Sabine Schneider, schon seit 23 Jahren in der Bibliothek beschäftigt, auf die Suche nach verschiedenen Exemplaren zu gehen – und scheiterte:

Die Übersetzung von Prosa spielt eine große und wichtige Rolle, auch zur Wahrheitsvermittlung und -schaffung. Denn literarische Werke schaffen Kultur und bieten geistig Behinderten so die Möglichkeit, sich noch mehr in die Gesellschaft zu integrieren. Dennoch ist es oft so, dass es sich bei „normalen“ Büchern, deren Schwierigkeitsgrad etwa dem sprachlichen Verständnis-Niveau von geistig Behinderten oder auch Migranten entspricht, meist um Kinderbücher handelt. Diese sind zwar leicht geschrieben und verständlich, behandeln thematisch gesehen aber auch nur leichte Kost.

„Ich kann denen zwar Lesestart-Bücher für Sechsjährige anbieten, das ist aber thematisch uninteressant hoch Drei! Alles, was solche Menschen mit Sprach- oder Verständnis-Schwierigkeiten ein bisschen interessiert, ist vom Lesen zu anspruchsvoll.“

Kein erwachsener Mensch möchte gerne Kinderbücher lesen, nur weil er andere Bücher nicht versteht. Um dem entgegenzuwirken wurde 2009 der Verlag „Spaß am Lesen“ ins Leben gerufen. Dieser Verlag publiziert seit neun Jahren Bücher und Bestseller, die zunächst in einfache Sprache übersetzt wurden, seit 2017 verlegt er außerdem auch Literatur in leichter Sprache. Hinzu kommt, dass es mittlerweile Autoren gibt, die Bücher direkt in vereinfachter Form verfassen. Marion Döbert zählt zu diesen und veröffentlichte im März 2017 das Buch „Zum Nachtisch Leben!“, welches sie bereits in einfacher Sprache schrieb. Mit dem Ziel, einfache und leichte Bücher bekannter zu machen.

Doch es gibt ein Problem: Es gibt keine Verzeichnisse, keinen Überblick und nur wenig Angebote von einfachen und leichten Büchern, wie etwa die vom „Spaß am Lesen“-Verlag. Auf den Online-Seiten der großen Buchhändler gibt es keinen separaten Reiter für diese und auch wer ins Suchfeld „Einfache Sprache“ oder „Leichte Sprache“ eingibt, findet höchstens einen Ratgeber – Literatur sucht man hier vergeblich. Selbst der „Spaß am Lesen“-Verlag weiß nicht, wo seine Bücher überhaupt verkauft werden. Denn aufgrund verschiedener Zwischenhändler verliert der Verlag so den Überblick über die Bücher. Hinzu kommt, dass auch die Bibliothek-Landesfachstelle in München nur dann vom Angebot von Büchern in leichter Sprache erfährt, falls die Büchereien um Förderung für bestimmte Projekte zum Thema bitten.
Trotz allem entschied sich Sabine Schneider, in ihrer eigenen Bibliothek in Buchloe ein solches Regal mit Büchern in leichter Sprache einzuführen. Um an Literatur zu gelangen, bestellt sie seitdem direkt beim „Spaß am Lesen Verlag“ – eine andere Möglichkeit hat sie nicht. Das ist zwar umständlich, die Verbreitung der Literatur in leichter Sprache ist ihr persönlich jedoch viel zu wichtig, um darauf zu verzichten.

Ob es jetzt nur darum geht, die Informationen, die in Büchern enthalten sind zu erfassen, oder ob man beim Lesen selbst Genuss und Spannung verspürt, ganz egal. Fakt ist, dass Bücher in einfacher und leichter Sprache viel weiter verbreitet und publik gemacht werden sollten. Der Buchmarkt stellt diesbezüglich also insofern ein Problem dar, dass es sehr schwer ist, sich einen Überblick zu verschaffen.
Wer nicht direkt beim „Spaß am Lesen“-Verlag bestellen möchte oder kann, hat es schwer, überhaupt an solche Bücher in leichter Sprache zu kommen. Vor allem für Menschen mit geistiger Behinderung, für die ja eigentlich Barrierefreiheit in sämtlichen Bereichen gewährleistet sein sollte, ist das sehr problematisch. Denn so gestaltet es sich sehr aufwändig, ohne Betreuer oder fremde Hilfe, an solche Bücher zu kommen – oder gar von ihnen zu erfahren. Die Einrichtung Regens Wagner stellt hier einen Vorbildcharakter dar, indem sie auch dieses Jahr am 25. Oktober in Buchloe eine Lesung veranstaltet und Literatur in einfacher und leichter Sprache vorstellt. Solche Veranstaltungen sollten auch im größeren Rahmen häufiger angeboten werden, um so überall den kulturellen Zugang zu unserer Gesellschaft zu schaffen.

„Diese Menschen haben genau die gleichen Bedürfnisse und Ansprüche an ihr Leben. Die möchten genau wie du und ich mitbekommen, was um sie herum geschieht. Die haben genauso Interesse an Geschichten, möchten ihre Phantasie ausschöpfen. Also wenn man selber schon mal Bücher gelesen hat in einfacher Sprache, dann erlebt man etwas ganz Phantastisches. Dass nämlich die Message des Buches rüberkommt. Das kann eine Moral sein, das kann eine Stimmung sein, die der Autor beabsichtigt. Und das funktioniert genau so in einfacher Sprache wie in schwerer Sprache.“



„Das ist der Weg, Menschen, die nicht die besten Erfahrungen gemacht haben, wieder an Bildung und Sprache heranzuführen. Jedoch ist das Bedürfnis, Formulare zu übersetzen größer, als Literatur zu vereinfachen. Zudem fallen bei Übersetzungen in die vereinfachte Form stilistische Mittel weg, wie auch bei der Übersetzung in eine andere Sprache. Daher dient die Übersetzung von Büchern eher der Allgemeinbildung. So können Menschen mit geistiger (Lern-)Behinderung die Bücher zumindest inhaltlich verstehen.“

In der Forschung geht es darum neue Dinge herauszufinden.
In der Forschung gibt es viele Projekte.
Es gibt auch ein großes Projekt für die Forschung für Leichte Sprache.
Das Projekt heißt: Leichte Sprache im Alltagsleben.
Kurz: LeiSA.

Dieses Projekt macht die Universität in Leipzig.
Das Projekt erforscht:
– Wird das Arbeits-Leben von Menschen mit Lern-Schwierigkeiten
durch Leichte Sprache besser?
– Wird das Arbeits-Leben durch Leichte Sprache anders?
– Wie viel Texte in Leichte Sprache brauchen wir?
– Welche Regeln für Leichte Sprache gibt es?

Bettina Bock macht bei dem LeiSA-Projekt mit.
Sie ist Juniorprofessorin an der Universität in Köln.
Sie arbeitet viel mit Sprache.
Sie überlegt schon lange ein Projekt für Leichte Sprache zu machen.
Sie will erforschen, ob die Menschen mit Lern-Schwierigkeiten
die Leichte Sprache verstehen.
2014 startet dann das Projekt LeiSA.
Besonders und neu ist: Die Menschen mit Lern-Schwierigkeiten sind
bei der Forschung dabei.
Sie testen die Leichte Sprache.

„Leichte Sprache ist ein großes Thema.“
Leichte Sprache ist wichtig für die Gesellschaft und für die Forschung.
Aber viele interessieren sich nicht lange für Leichte Sprache.

„Es gibt noch zu wenig Forschung in der Wissenschaft.“
Forschung für Leichte Sprache ist interessant und schwierig.
Es arbeiten viele verschiedenene Menschen mit.
Menschen, die Texte übersetzen.
Menschen, die mit Sprache arbeiten.
Menschen, die Menschen etwas beibringen.
Menschen, die sich um Menschen kümmern.
Es ist sehr schwer nicht durcheinander zu kommen.

Viele arbeiten theoretisch mit Leichter Sprache.
Das heißt sie denken über Leichte Sprache nach.
Sie machen aber keine Erfahrung mit Leichter Sprache.
Es gibt viel mehr theoretische Arbeit mit Leichter Sprache.
Ein Beispiel dafür ist die Forschung in Hildesheim:

In Hildesheim kann man studieren.
Es gibt einen Studiengang. Der heißt „Barriere-freie Kommunikation.“
Dort lernt man etwas über Leichte Sprache.

Durch Leichte Sprache sagt man Dinge so, wie sie sind.
Viele Büros für Leichte Sprache sagen das.
Meistens meinen sie damit die Politik.
-Wahlprogramm
-Interviews
-Vorträge
In Leichter Sprache muss der Politiker genau sagen, was er meint.
Er kann keine Fachbegriffe verwenden.

Aber Frau Bock sagt: „Wenn ich etwas nicht verstehe, dann heißt
das nicht automatisch, dass ich lüge.“
Beim Übersetzen in Leichte Sprache fällt immer etwas weg.
Der Text wird in Leichter Sprache immer kürzer.

* Die Texte in Leichter Sprache wurden mithilfe des Ratgebers für Leichte Sprache übersetzt, jedoch nicht von Menschen mit Lern- Schwierigkeiten geprüft! Wir übernehmen keine Gewähr für Richtigkeit und Verständlichkeit.

Eines der größten Projekte, die im Zuge der empirischen Forschung zur Leichten Sprache gemacht wurden, ist die LeiSA-Studie der Universität Leipzig. LeiSA ist die Kurzform für „Leichte Sprache im Alltagsleben“. Die Studie erforscht, wie Leichte Sprache den Arbeitsalltag von Menschen mit Lern-Schwierigkeiten beeinflussen und verbessern kann. Der Bedarf an Informationen und Kommunikation in Leichter Sprache wird ermittelt und es wird festgestellt, wie sich die Teilhabe im Arbeitsleben durch Verwendung von Leichter Sprache verändert. Außerdem werden die Regeln, welche bislang zur Leichten Sprache existieren, unter empirischen Gesichtspunkten näher betrachtet.

Eine der Mitarbeitenden am diesem Projekt ist Bettina M. Bock, Juniorprofessorin im Bereich Sprachwissenschaft an der Universität Köln. Lange schon beschäftigte sie der Gedanke an ein Forschungsprojekt, welches vor allem interdisziplinär die Effektivität und Verständlichkeit der Prinzipien von Leichter Sprache für die Zielgruppe untersucht. Im Jahr 2014 wurde das Projekt in Form der sogenannten LeiSA Studie realisiert und nach rund vier Jahren fertiggeestellt. Das Besondere dabei ist die partizipative Vorgehensweise: Die Zielgruppen selbst werden in den Forschungsprozess miteinbezogen.

Mehr Informationen zur LeiSA-Studie

Leichte Sprache ist sicherlich ein Thema, das boomt.

Ein Thema, das sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung, als auch in der Forschung immer wichtiger wird. Eine intensive Beschäftigung mit dem Thema gibt es bislang nur bei Wenigen. Doch Bettina M. Bock bleibt dabei – sie will weiterhin zu diesem Thema forschen.

Es gibt nach wie vor eine Lücke in der empirischen Forschung.

Das Interessante, aber gleichzeitig auch Schwierige an der Forschung mit Leichter Sprache, ist die Beteiligung unterschiedlicher Disziplinen. Es arbeiten Übersetzungswissenschaftler, Linguisten, Didaktiker und Sozialpädagogen zusammen – da einen Überblick zu bekommen fällt natürlich schwer.

Übersicht der Publikationen


Theoretische Forschung

Die theoretische Beschäftigung mit dem Phänomen der Leichten Sprache dominiert, wie beispielsweise die Forschungsstelle in Hildesheim zeigt.
An der Universität Hildesheim gibt es außerdem die Möglichkeit den Master-Studiengang „Barrierefreie Kommunikation“ zu besuchen. Dieser beschäftigt sich unter anderem mit der Übersetzung von Texten in die Leichte Sprache. Nähere Informationen zu diesem Master-Studiengang gibt eshier.


Leichte Sprache zwingt einen dazu, sich klarer auszudrücken und konkrete Aussagen zu machen – so heißt es in vielen Büros für Leichte Sprache. Das bezieht sich meistens auf Bereiche wie die Politik: Wahlprogramme, Interviews und Reden. In Leichter Sprache würden sich die Politiker klarer ausdrücken müssen, explizit sagen wie etwas ist und könnten nicht auf Umschreibungen und Floskeln zurückgreifen. Bettina M. Bock sieht das jedoch anders:

Sich klar ausdrücken hat nichts damit zu tun, ob man die Wahrheit sagt oder nicht.

Wenn etwas also nicht verständlich ist, hat es nicht automatisch etwas mit der Kategorie Wahrheit oder Nicht-Wahrheit zu tun. Leichte Sprache stellt auch immer eine Einschränkung bezüglich der Ausdrucksmöglichkeiten dar. Das heißt, es fällt damit auch immer etwas weg.

Beispiel Text
Schon früher hat man sich viel mit dem Thema Wahrheit beschäftigt. Hier ein kurzer Auszug aus dem Werk „Was ist Wahrheit?“ (1857) vom deutschen Schriftsteller Christoph Martin Wieland:

Die Wahrheit ist, wie alles Gute, etwas Verhältnißmäßiges. Es kann Vieles für die menschliche Gattung wahr seyn, was es für höhere oder niedrigere Wesen nicht ist, und eben so kann etwas von dem einen Menschen mit innigster Ueberzeugung als wahr empfunden und erkannt werden, was ein anderer mit gleich starker Ueberzeugung für Irrthum und Blendwerk hält.

Auszug aus dem Regelwerk:

      • genau Beschreiben
        (Bsp: Anstatt öffentlicher Nahverkehr – Bus und Bahn)
      • bekannte Wörter, keine Fach- und Fremd-Wörter
        (Bsp: Anstatt Workshop – Arbeits-Gruppe)
      • Möglichkeit: Schwere Wörter ankündigen, Wörterbuch
        (Bsp: Herr Meier hatte einen schweren Unfall. Jetzt lernt er einen anderen Beruf. Das schwere Wort dafür ist: berufliche Rehabilitation.)
      • Immer gleiche Wörter benutzen
        (Nicht zwischen Tablette und Pille wechseln)
      • Kurze Wörter, aber keine Abkürzungen!
      • Verben ansatt Nomen
        (Bsp: Anstatt Morgen ist die Wahl – Morgen wählen wir)
      • Aktiv Statt Passiv
      • Genitiv, Konjunktiv, Negationen, Rede-Wendungen vermeiden
      • Arabische Ziffern, nicht ausschreiben als Wort
      • Alte Jahreszahlen vermeiden, stattdessen: Vor langer Zeit/ vor 100 Jahren
      • Hohe/Potenz-Zahlen, Sonderzeichen (&,..) vermeiden
      • Datum: Ohne Nullen: 03.03.12 – besser: 3. März 2012 oder 3.3.2012
      • Zeit-Angaben: Unterschiedlich, Prüfgruppen fragen
      • Kurze Sätze, Lange Sätze trennen
      • Einfacher Satzbau, Zeilen trennen nach Sinn
      • Persönliche Ansprache, Anrede “Sie”
      • Zuerst Männliche Form: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. (Einfacher zu lesen)
      • Fragen vermeiden
      • Veränderung erlaubt, Inhalt und Sinn muss gleich bleiben
      • Einfache Schrift, gerade Schriftart, nur eine
      • Große Schrift (Ab Größe 14)
      • Abstand zwischen den Zeilen (Ab 1,5 Zeilenabstand)
      • Immer Linksbündig
      • Jeder Satz in neue Zeile, keine Wörter Trennen in Zeilen
      • Viele Absätze und Überschriften
      • Wichtige Dinge hervorheben (Fett, Farblich hinterlegen, Rahmen)
      • Dunkle Schrift, helles, dickes (80 Gramm mind.), mattes Papier
      • !Passende!, scharfe, klare Bilder zur Unterstützung, nicht aber als Hinergrund
      • Regeln reichen nie ganz aus, immer Absprache mit Prüfgruppe sinnvoll! Nur Menschen mit Lernschwierigkeiten können bestimmen, ob der Text verständlich ist!

Mögliche Lösung

Die Wahrheit ist nicht fest.
Die Wahrheit ist wie eine gute Sache.
Die Wahrheit ist in jeder Situation anders.

Der Mensch sagt, dass etwas wahr ist.
Aber das muss nicht automatisch für andere Wesen auch wahr sein.
Andere Wesen sind zum Beispiel: Götter oder Tiere.

Es gibt Menschen, die glauben sehr stark an etwas.
Das heißt auch: Überzeugung.
Zum Beispiel sagen Menschen mit Überzeugung, dass etwas wahr ist.
Ein anderer Mensch aber sagt, dass das nicht wahr ist.
Er sagt, dass das falsch ist.
Dieser andere Mensch hat die gleiche Überzeugung.
Trotzdem sagen die beiden nicht das gleiche.

Wahrheit ist für jeden etwas anderes. *


* Die Texte in Leichter Sprache wurden mithilfe des Ratgebers für Leichte Sprache übersetzt, jedoch nicht von Menschen mit Lern- Schwierigkeiten geprüft! Wir übernehmen keine Gewähr für Richtigkeit und Verständlichkeit. 

Bildnachweise:
Pixabay (alle Titelbilder)
Markus Übelhör
Regens Wagner
Sabine Schneider
Bettina M. Bock
Paula Schneider
Valentina Ehgartner