Floating Houses auf der Donau

Ehrgeiziger Plan für Racklau gescheitert

Erwähnt man den Hafen Racklau, legt sich ein fragender Ausdruck auf die Gesichter vieler Passauer. Wenige haben von der Hafenfläche gehört, geschweige denn von den ehemaligen Plänen, die für sie einiges vorgesehen hatten.
Die Halbinsel liegt auf der Donau und befindet sich zwischen den Passauer Stadtteilen Haidenhof-Nord und Hacklberg – nur drei Kilometer Luftlinie vom Rathaus entfernt. 

  • Momentan hat Racklau Anlegestellen für Kreuzfahrtschiffe

Racklau wurde ursprünglich als Güterumschlagplatz genutzt. Die Pachtverträge zwischen dem Eigentümer bayernhafen GmbH und der Logistikfirma Geltinger AG liefen jedoch Ende 2018 aus, eine Verlängerung war nicht in Sicht. Grund dafür war die Eröffnung des Hafens Passau-Schalding, welcher heute für den Güterumschlag genutzt wird. Da der Hafen Racklau keinen Gleisanschluss (mehr) hat, fokussierte sich bayernhafen auf den Standort Schalding. Dort investierten die Eigentümer zwölf Millionen Euro in den Ausbau des Hafens, der jetzt Umschlagmöglichkeiten für Zug, Schiff, und LKW bietet. 


Die zukünftige Nutzung der Halbinsel wurde im Stadtrat diskutiert. Doch überraschend kam eine neue, ausgearbeitete Idee. Im Mai 2017 stellten Oberbürgermeister Jürgen Dupper und Joachim Zimmermann, Geschäftsführer der bayernhafen GmbH, die Konzeptstudie „Leben mit dem Wasser“ vor.

Die Studie sah vor, ein schwimmendes Feriendorf zu errichten: Es sollte ein Hostel, Ferienhäuser und eine Bar geben. Alles schwimmend auf der Donau, wegen der Hochwassergefahr. Außerdem sollten Anlegestellen für vier bis fünf Kreuzfahrtschiffe geschaffen werden. Zusätzlich wollten die Eigentümer ein Terminalgebäude bauen. Dies sollte in Kooperation mit der Stadtwerke Passau GmbH geschehen, die auch die Anlegestellen in der Altstadt und in Lindau betreiben. Hier wollte man auch das Wassertaxi einführen – eine Idee, die schon vielfach im Stadtrat besprochen wurde. 

Die Fotos in dieser interaktiven Karte dienen nur der Veranschaulichung, hier kann der Original-Plan eingesehen werden.

Schwimmende Häuser – Modell der Zukunft?

Die Idee der sogenannten Floating Homes ist zumindest in den Niederlanden nichts neues. Schon ganze Siedlungen der kreativen Häuser sind dort entstanden, wie der Amsterdamer Stadtteil Ijburg. Dort sind die Häuser durch Stege miteinander verbunden, welche gleichzeitig sämtliche Leitungen enthalten.
Das ganze ist eine Weiterentwicklung der typischen Hausboote: Die Floating Houses sind nämlich mit Ringen an Stahlpfählen verankert. So kann das Haus auf- und absteigen und passt sich somit dem Wasserstand an. Hochwasser ist also keine Gefahr mehr, und die Erweiterung des Wohnraums auf das Wasser spart auch noch eine Menge Platz.
Da es kaum Kostenunterschiede zu einem Haus an Land gibt, plant die Niederlande weitere Großprojekte mit Floating Homes. In Deutschland ist die neue Wohnform aber noch nicht angekommen.

Die Pläne für Racklau kamen jedoch im Winter 2018 ins Stocken: Eigentümer bayernhafen bat die Stadt Passau um eine Pause im Bebauungsverfahren. Man hatte mittlerweile wohl Zweifel am Konzept. Dieser Bitte kam die Stadt nach und stoppte alle Aktivitäten.
Dann gab bayernhafen in einer Pressemitteilung bekannt, sich auf die Flusskreuzfahrtschiffe fokussieren zu wollen. Es sei wohl ein Bedarf an Anlegestellen für Kreuzfahrtschiffe festgestellt worden.

„2019 stehen im bayernhafen Passau-Racklau bereits vier Liegestellen für Flusskreuzfahrtschiffe zur Verfügung, für 2020/21 ist eine Erweiterung auf bis zu sieben Liegestellen geplant, mit Elektrifizierung und perspektivisch der Errichtung eines Terminalgebäudes.“
– bayernhafen im April 2019

Die Diskussion um das Hafengelände stoppte aber trotzdem nicht. Vorstellungen, Ideen und Vorschläge für die künftige Nutzung gibt es immer noch. Stimmen der Kritik erheben sich: Einerseits gegen die Konzeptstudie, andererseits wegen der gescheiterten Umsetzung.

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Die Kritik der CSU

„Wenn man immer nur klein denkt, und nicht groß, wird man im Zweifel auch nur kleines erreichen – oder eben gar nichts.“

Dass die Pläne damals auf Eis gelegt wurden, freute Kritiker. Denn die bayernhafen-Pläne trafen damals auf starke Kritik der CSU. Holm Putzke, CSU-Kreisvorsitzender, sieht auch heute in Racklau noch immer großes, ungenutztes Potenzial. Sein größter Kritikpunkt: Die Konzeptstudie war zu klein gedacht; der Plan ging nicht weit genug und sei viel zu schnell erstellt worden. Die Chancen, die man hätte umsetzen können, seien nicht berücksichtigt worden.

„Da reicht es nicht, irgendwelche Skizzen zu machen und irgendwelche schwimmenden Häuser einzuzeichnen.“

Es wären viele Ideen und Vorschläge in Diskussion, meint Putzke. So könnten dort Möglichkeiten für Kultur geschaffen werden, Gewerbe könnte sich dort ansiedeln oder es könnte sich etwas Universitäres entwickeln. „Warum sollte es nicht dort möglich sein, eine Fläche zu begründen, wo eine medizinische Fakultät untergebracht werden kann oder eine Medizinausbildung?“, sagt Putzke.

Außerdem betont Putzke, dass es wichtig sei, die verschiedenen Interessen zu berücksichtigen: Die Fischerei, die Schifffahrt, die Anwohner, und sogar die Deutsche Bahn, wenn man das Gelände vom Bahnhof ausgehend denke. 

Video: Holm Putzke über das Potenzial Racklaus

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OB Dupper zeigt sich diplomatisch

Oberbürgermeister Jürgen Dupper distanziert sich von der Studie. „Es ist die Studie des Eigentümers und ihm ist es überlassen, welche Studien er für sein Gelände haben möchte und welche nicht.“ Die Stadt könne lediglich ihre Zustimmung geben.
Trotzdem sei die Nutzung der Halbinsel stark eingeschränkt – zum einen wegen der Überschwemmungsgefahr, zum anderen wegen der Nähe der lärmintensiven Bundesstraße.

Video: Wie kam es eigentlich zur Konzeptstudie?

Den Plan bayernhafens, sich auf die Flusskreuzfahrt zu fokussieren, kann er daher gut nachvollziehen: Es gäbe Unlogischeres, als einen Hafen als Hafen zu nutzen, sagt er.

Die Eigentümer haben gesehen, dass großer Bedarf an der Nutzung als Hafen existiert – jetzt nicht mehr für den Umschlag von Gütern, sondern von Passagieren.

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Eigentümer bleibt stumm

Eigentümer bayernhafen wollte sich zu der Angelegenheit nicht äußern. Ob es allein beim Ausbau der Kreuzfahrtanliegestellen oder ob aus dem Hafengelände noch mehr passiert, bleibt fraglich.

„Nach dem Ende des Hafen-Standorts Passau-Racklau als Güterumschlagplatz besteht nun die Chance, neue, tragfähige Möglichkeiten der Nutzung zu entwickeln. Derzeit befinden wir uns dazu in einem ergebnisoffenen Prozess der Diskussion mit der Stadt Passau. Dem Ergebnis daraus möchten wir nicht vorgreifen und können daher Ihrem Wunsch nach einem Interview derzeit nicht entsprechen.“
Pressestelle bayernhafen GmbH

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Fischer im Hafen Racklau

Gunter Bauer ist Vorstand der Apostelfischer und beobachtet die Entwicklungen in der Racklau seit mehreren Jahren. Der traditionsreiche Verein der Apostelfischer entstand schon im Mittelalter in Passau und besteht aus 12 Fischern. Sie haben bis heute das Privileg, in einem bestimmten Bereich der Donau das alleinige Fischereirecht zu besitzen. Heute hat der Verein im Hafen Racklau zusätzlich eine Anlegestelle für Boote.
Mit der aktuellen Situation ist Bauer nicht zufrieden: Das sei alles bloß Provisorium.

„Der Wohnmobilparkplatz ist schon seit 10 Jahren ein Provisorium. Was vorne entsteht, geschieht auch nur tröpfchenweise; das mit den Kreuzfahrtschiffen, die Nutzung als Lagerplatz… Das ist nichts für die Zukunft.“

Dass die Konzeptstudie verworfen wurde, findet Bauer schade. „Die Apostelfischer sind auch Passauer Bürger und die freuen sich natürlich, wenn hier auf dem Gelände mitten in der Stadt etwas Attraktives entstünde.“

Trotzdem weist Bauer auch darauf hin, wie problematisch die Lage der Halbinsel ist: Es herrscht ständig Überschwemmungsgefahr. Bei Niedrigwasser könne man alle möglichen Ideen haben, die Umsetzung sei aber schwierig.

Für die künftige Nutzung der Wasserfläche erhofft er sich, dass die Fischerei und der Naturschutz berücksichtigt werden. Die geplante Erweiterung der Anlegestellen für Kreuzfahrtschiffe sieht er kritisch: „Das hätte auf die Fischerei mit Sicherheit negative Auswirkungen. Aber das werden wir nicht verhindern können, man muss einfach das Beste draus machen und miteinander reden.“ Jedoch sei das alles nur ein Vorentwurf, bayernhafen müsse noch Genehmigungen einreichen, Anträge stellen.

Video: Warum ist das Hafengebiet Racklau für die Fischerei so wichtig?

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Einigen Passauern ist die Racklau trotz allem ein Dorn im Auge. Vom Hacklberg haben Anwohner nämlich einen guten Blick auf die Halbinsel. Racklau vegetiere zu einer Müllkippe, sagen einige, das Gelände sei völlig verwahrlost. Eine rosige Zukunft sehen die Meisten nicht: Dazu sei das Gelände einfach zu problematisch und interessieren würde es sowieso nur die wenigsten.

Racklau. Die Halbinsel auf der Donau, wo Urlauber aus Transferbussen in ihre Urlaubsdampfer gebracht werden. Ob sich aus dem Gelände mehr als nur ein Passagierumschlagplatz entwickelt, wird die Zukunft zeigen.


Wie sollte das Gelände genutzt werden?

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