Dreiflüsse Stadt Passau – auf dem Weg zum UNESCO Weltkulturerbe

Passau Studentenstadt erzählen die Schilder in der Einfahrt in die Stadt. Warum ist Passau in Deutschland bekannt, hat jeder seine eigene Gründe. Für den Touristen ist Passau insbesondere für drei Flüsse und schöne länderübergreifende Radwege bekannt. Die Studenten aus allen Ecken Deutschlands sind in Passau verliebt und fasziniert, weil es so klein und gemütlich ist. So eine fast magische Wirkung macht Passau auf jeden, der sein Fuß hier stellt.

Die Lage der Stadt ist auch auf Erfolg programmiert, da die Stadt einerseits an der Donau liegt, welcher der zweit längste Fluss Europas ist, und durch 10 Länder anfangs in Deutschland bis ins Schwarzer Meer fließt. Auf der anderen Seite, verbindet die Donau Passau mit Städten wie Regensburg und Linz, die schon seit Jahren anerkannte UNESCO Welterben sind, und daher Touristen Flow bringen. 

Doch ist Passau viel mehr als die Altstadt, Radwege und das Schloss Oberhaus. Von der Altstadt die Marienbrücke rüber in die Innstadt, auf der Ledergasse runter, findet man auf der linken Seite das Römermuseum Kastell Boiotro. Nicht allen Einwohnern der Stadt bekannt, ist das Museum ein richtiger Schatz für diejenigen, die sich an der Geschichte interessieren. Dort kann man sich in die Geschichte eines kleinen Gebiets an der Grenze des damaligen römischen Reichs vertiefen, den wir heute als Passau kennen. Die heutige Halbinsel Passau hat seinen Ortsnamen nicht immer gehabt: zurück von der Spätantike bis zum Frühmittelalter hatte das Gebiet die Namen „Boiodorum“ – „Boiotro“ – „Beuder“ – „Beiderwies“. Später aus dem spätantikischen „Batavis“ in die mittelaltarliche „Pazzave“ wurde der heutige Name „Passau“ formiert.   

Dieses Jahr hat das Museum eine ganz neue Bedeutung für die Stadt und das Land bekommen, weil Passau durch die römische Stätten die sich hier befinden, als Teil der transnationalen Gruppennominierung Donaulimes gestellt wurde. Als Donaulimes bezeichnen Archäologen und Historiken Teil der Militärgrenze des Römischen Reichs entlang der Donau, die heute durch Bayern, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien, Rumänien und Bulgarien führt. 

Jedes Jahr trifft sich das UNESCO Komitee um in einem gewählten Land die Entscheidung über die Anerkennung des nominierten Objektes zu treffen. Dies Jahr fand die Sitzung vom 30. Juni bis zum 10. Juli in Baku, Aserbaidschan statt.  Ich traf mich mit dem Stadtarchäologen aus Passau um mich besser über diesjährige Donaulimes Nominierung zu informieren. In einem Gespräch mit Herrn Dr. Maurer, erzählt er wie die Nominierung diese Jahr aussah:

Interview mit dem Passauer Stadtarchäologen Dr. Maurer.
Welche Anforderungen hat sich Passau bei der UNESCO Nominierung gestellt? Wie sah die ganze Nominierung aus?

Diese drei Welterbe Teilstätten sind sehr unterschiedlich in ihrer Visualisierung und Erhaltung. Die römischen Anlagen im Bereich vom Kloster Niedernburg sind heute obertägig nicht mehr zu sehen, sondern nur durch Ausgrabungen erschlossen. Wo man noch viel sehen kann, sind die Überreste des Kastells Boiotro, die auch teilweise im Keller des Römermuseum integriert sind. Nach der Zerstörung des Kastells Boiodorum (250 n. Chr.) durch die germanischen Stämme, haben die Römer einen Kilometer den Fluss Inn aufwärts das Kastell Boiotro (300 n. Chr.) aufgebaut. Die Anlage wurde vermutlich für die Überwachung konstruiert. Später um 375 n. Chr. gaben die Römer das Kastell auf. Die Befunde erzählen uns von einem römischen Diplomaten namens Severin, der im Kastell ein kleines Kloster gegen 500 n. Chr. aufbauen ließ.

Ebenfalls zu sehen ist ein Teil des Wachtturms, der weiter östlich in Passau- Haibach liegt. Dieser ist aber leider nicht öffentlich zugänglich, weil es sich im Betriebsgelände der Kläranlage befindet. Der vermutliche Aufbau geht zur Regierungszeit des Kaisers Valentin I um 364 – 375 n. Chr. zurück. Der Wachtturm war Teil eines großen Bauprogramms für die Verstärkung der nordischen Grenze des Reichs. Durch den Aufbau von Kastellen und Wachttürmen entlang der Donau, überwachten die Römer die Flussgrenzen und verschafften eine schnelle Signalübertragung im Falle von einem Angriff. 

„Wir sind optimistisch, dass Passau im nächsten Jahr 2020, Teil des UNESCO Welterbe des römischen Donaulimes sein wird.“

Dr. Thomas Maurer

Die Wichtigkeit der Donau in der Geschichte des Reichs ist nicht zu unterschätzen, als natürliche Grenze zwischen zwei Reichen ( römischen und germanischen Reiche) ganz von Anfang bis zum Schwarzen Meer, wurde sie von verbundenen miteinander Kastellen und Wachtturmen in einer Linie streng überwacht. In der diesjährige Donaulimes Nominierung wurde nur westlicher Teil der Grenze zur Anerkennung dargestellt.  Der östliche Teil des Donaulimes, der derzeit über Croatien, Rumänien, Serbien und Bulgarien steht in die Nominierung nicht. Sie arbeiten an einer separate Nominierung. 

Interview mit dem Passauer Stadtarchäologen Dr. Maurer.
Welche Rolle hat Passau und seine Flüsse in der Geschichte der Römischen Zeit für das Gesamtbild der Nominierung gespielt?

Der aktuelle Welterbeantrag zur Donaulimes wurde seit 2015 bearbeitet, und 2018 im Januar ist der Antrag gestellt worden. Auf der Sitzung Anfang Juli ist wurde aber bekannt, dass die Bewerbung formell abgelehnt worden ist. Im letzten Moment hat die ungarische Regierung eine Teilstätte (im Norden von Budapest, in der römischen Stadt Aquincum) aus der Donaulimesnominierung rausgenommen. 

“Trotzdem gibt´s sehr gute Chancen unsererseits, dass über den Antrag im kommenden Jahr bei der nächsten Session des Welterbe-Komitees positiv entschieden wird, denn nach allem was bekannt ist, wird das Herausnehmen eines von 98 potenziellen Welterbeplätzen an diesem Welterbe Donaulimes an der Gesamtqualität des Antrags nichts ändern. Wir sind optimistisch, dass Passau dann eben im nächsten Jahr 2020, Teil des UNESCO Welterbes römischer Donaulimes sein wird”, sagt Maurer. 

Interview mit dem Passauer Stadtarchäologen Dr. Maurer.
Welche Vorteile und Nachteile hat die UNESCO Anerkennung?

„Die UNESCO Anerkennung ist das beste, was uns Archäologen passieren kann. Zusätzlich zu den schon ohnehin bestehenden Schutz durch das Denkmalschutzgesetz, wird das Etikett „UNESCO Weltkulturerbe“ dazu beitragen, dass diese römischen Anlagen, die größtenteils im Boden schlummern, noch viel besser geschützt werden”

Dr. Thomas Maurer

Das ist aber ebenfalls nicht die erste Bewerbung als UNESCO Welterbe, die Passau sich überlegt hat. 2011 beschloss sich die Stadt in der Bewerbung seine gesamte Altstadt und Teile von Inn- und Ilzstadt einzustellen. Die Flüsse, für die Passau eigentlich als „Dreiflüssenstadt“ bekannt ist, stehen auch in der Bewerbung, weil genau sie die Stadt Passau so besonders machen. 

Interview mit dem Passauer Stadtarchäologen Dr. Maurer.
Hat Passau schon früher einen Antrag bei UNESCO gestellt?

Der Ort der nächsten UNESCO Sitzung ist schon mittlerweile bekannt. Die 44. Sitzung findet in China statt, wurde am Ende der diesjährigen Sitzung mitgeteilt.

Dies Jahr haben zwei Stätten in Deutschland Anerkennung für die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří und das Augsburger Wassermanagement-System bekommen. Nächstes Jahr erwartet die Stadt Passau wieder Teil der transnationalen Gruppennominierung Donaulimes zu sein, und den erwünschten und viel mehr verdienten Titel UNESCO- Weltkulturerbe zu bekommen. 

Dr. Thomas Maurer

Stadtarchäologe der Stadt Passau, Dienstleiter des Römermuseums Kastell Boiotro

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