Multiple Persönlichkeitsstörung

Mittlerweile sind sich die meisten Experten einig – die sehr selten auftretende Multiple Persönlichkeitsstörung existiert als eigenständige Krankheit und entsteht durch extrem negative Lebensumstände in der frühen Kindheit. Wenn ein Kind bestimmte traumatische Lebensumstände psychisch nicht bewältigen kann, versucht es durch die Abspaltung der Erlebnisse diese zu vergessen und sich dadurch selbst zu schützen. Langjähriger Missbrauch (oft sexueller Natur) und wiederkehrende Traumata können eine einheitliche Persönlichkeitsentwicklung des Kindes verhindern und Teilpersönlichkeiten entstehen. Eine lebenslange Therapie ist nötig um den Betroffenen ein einigermaßen „normales“ Leben zu ermöglichen.

Auch wenn die Darstellung von Norman Bates in „Psycho“ (1960) das Klischee eines psychisch kranken Serienmörders bedient, erzählt die Vorgeschichte die Entwicklung seiner psychischen Störung. Die jahrelangen Misshandlungen durch seine Mutter, die seine sexuellen Triebe unterdrücken wollte, brachten ihn letztendlich dazu sie umzubringen und sie sich anschließend als seine zweite Persönlichkeit sozusagen einzuverleiben. Diese zweite Persönlichkeit, die krankhaft eifersüchtige Mutter, bringt daraufhin alle von ihm sexuell begehrten Frauen um.

Eine Diskussion zwischen mehreren Teilpersönlichkeiten, wie in Fight Club oder Mr. Robot hat aber nichts mit der Realität zu tun. Niklas Gebele erklärt, dass es so etwas nur ein Stilmittel der Filmindustrie ist. Denn es ist vielmehr so, dass es ein fließender Übergang zwischen den verschiedenen Teilpersönlichkeiten abläuft und kein abrupter Wechsel, wie in den meisten Filmen dargestellt. Die extremen Amnesien entsprechen jedoch den realen Tatsachen. Die Betroffenen können sich nicht an bestimmte Situationen erinnern – immer dann, wenn ein anderer Persönlichkeitsanteil übernimmt. Klar definiert wird die Multiple Persönlichkeitsstörung in der Internationalen Klassifikation von Krankheiten

IDC-10 (F44.81)

  • Zwei oder mehr unterschiedliche Persönlichkeiten innerhalb eines Individuums, von denen zu einem bestimmten Zeitpunkt jeweils eine in Erscheinung tritt
  • Jede Persönlichkeit hat ihr eigenes Gedächtnis, ihre eigenen Vorlieben und Verhaltensweisen und übernimmt zu einer bestimmten Zeit, auch wiederholt, die volle Kontrolle über das Verhalten der Betroffenen
  • Unfähigkeit, wichtige persönliche Informationen zu erinnern (zu ausgeprägt für eine einfache Vergesslichkeit)
  • Nicht bedingt durch eine hirnorganische Störung oder durch psychotrope Substanzen
  • Überzeugender zeitlicher Zusammenhang zwischen den Symptomen und belastenden Ereignissen, Problemen oder Bedürfnissen

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