Was uns die #MeToo-Bewegung über die Macht sozialer Netzwerke verrät

„Sorge um die Privatheit und dennoch auf Facebook aktiv?“

Soziale Netzwerke erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit. Im Jahr 2017 verzeichnete Facebook 30 Millionen Nutzer in der Bundesrepublik. Bei Instagram waren es 15 Millionen. Und für viele sind sie bereits fester Bestandteil des Alltags geworden. Warum auch nicht? Dank gängiger Smartphone-App, bei der man sich meist nur noch einmal einloggen muss um anschließend dauerhaft angemeldet zu sein, ist der Zugang einfach und bequem wie nie zuvor. Facebook, Twitter und Co. bieten ihren Mitgliedern außerdem eine Vielzahl verschiedenster Nutzungsmöglichkeiten. Während einige ihren Account kaum nutzen, höchstens um einem entfernten Freund via Internet zum Geburtstag zu gratulieren, gibt es auch Personen, die private Fotos und intime Gedanken auf den virtuellen Plattformen teilen. Unsere Daten sind im Internet jedoch alles andere als sicher und immer mehr Menschen sorgen sich um deren Schutz und ihre eigene Privatheit – nutzen die sozialen Netzwerke aber dennoch offen wie gewohnt. Aber wieso? Gibt es Unterschiede zwischen Online- und Offline-Kommunikation? Damit hat sich Tobias Dienlin bei seiner Forschung beschäftigt.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Online- und Offline-Kommunikation ist Dienlin zufolge die Möglichkeit, online mit mehreren Personen gleichzeitig kommunizieren zu können und selbst ein Massenmedium zu bedienen. Durch die Option Likes zu verteilen, gibt es außerdem die Möglichkeit schnell positives Feedback zu bekommen. Allerdings muss man auch die Nachteile der Online-Kommunikation beachten. “Die Kommunikation wird gespeichert. Die Information kann an Leute gelangen, für die sie nicht bestimmt war. Dies kann unter Umständen zu Rufschädigung führen”, mahnt Dienlin.

Manchmal offenbart man online Dinge, die man offline nicht offenbaren würde. Was wir feststellen ist, dass online manche Dinge einfach etwas intensiver sind und verstärkt werden.

Dieser Effekt führt allerdings auch dazu, dass Personen online extremeres Verhalten als in der analogen Welt zeigen. Außerdem lässt sich erkennen, dass durchaus eine Form der Enthemmung des Verhaltens in sozialen Netzwerken stattfinde. ”Man hat dann eben doch nicht einen Menschen gegenüber, dem man etwas ins Gesicht sagt, sondern einen Computer, vor dem man sitzt”. In der Anonymität im Netz, die durchaus die Hemmschwelle zu extremem Verhalten herabsetzen kann, sieht Dienlin jedoch auch Vorteile. “Man kann sich trauen, beispielsweise in Hilfe-Foren, intime Dinge weiterzugeben, ohne Angst zu haben, dass es am nächsten Tag direkt die Runde macht”.

NSA-Skandal und Vorratsdatenspeicherung haben die Debatte rund um das Thema Datenschutz und Privatsphäre im Netz wiederbelebt und das Thema zurück ins Bewusstsein der Bevölkerung gerufen. Doch was genau verstehen Menschen unter dem Begriff “Privatheit im Netz”? Eine pauschale Antwort dazu gibt es nicht. Dafür ist das Verständnis, dass sich jeder selbst von Privatheit und Privatsphäre bilden kann, schlicht zu vielfältig und unterschiedlich.

Das, was Leute als privat erachten, unterscheidet sich im Laufe einer Lebensentwicklung.

So sind für Jugendliche besonders soziale Beziehungen ‘privat’, bei Erwachsenen hingegen vor allem finanzielle und gesundheitliche Informationen.

“Für unterschiedliche Privatheitsbedürfnisse werden unterschiedliche Kanäle angesteuert”. Bei Problemen wählen Personen dementsprechend, wenn möglich, das persönliche Gespräch. Geht es darum, schöne Momente des Lebens zu teilen, geschieht dies meist über Instagram. Sollen Informationen möglichst schnell ausgetauscht werden, werden dafür in der Regel WhatsApp oder andere Messenger benutzt. Die Bevölkerung entwickelt also ein stetig größer werdendes Bewusstsein für die Unterschiede zwischen Online- und Offline-Kommunikation. Sowohl hinsichtlich verschiedener Nutzungsmöglichkeiten, also auch in Hinblick auf potentielle Gefahren und Risiken der Online-Kommunikation.

Quelle für Nutzerzahlen: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/503046/umfrage/anzahl-der-nutzer-von-facebook-und-instagram-in-deutschland/

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