Organspende – Ein Expertengespräch

Dr. Katharina Heller ist Oberärztin am Universitätsklinikum mit Transplantationszentrum in Erlangen und betreut Patienten, die auf eine Organtransplantation warten, sowie Menschen, die zu Lebzeiten ein Organ spenden möchten. Im Interview spricht sie über den Organspendeausweis, die Diagnose Hirntod und die Verteilung auf den Wartelisten.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) versucht mit Werbe- und Aufklärungskampagnen mehr Aufmerksamkeit für das Thema zu generieren. An erster Stelle steht dabei die Werbung für den Organspendeausweis. Für Viele ist der Besitz eines solchen Ausweises gleichbedeutend mit einer Zustimmung zur Organspende. Aber stimmt das?

Der Hirntod ist nur in etwa 1% der Fälle die ausschlaggebende Todesdiagnostik. Sie wird nach schweren Hirnverletzungen angewandt um zu überprüfen, ob überhaupt noch eine Hirnfunktion statt findet. Aber vielen fällt es schwer die Diagnose Hirntod zu akzeptieren. Weil sie an der Zuverlässigkeit der Diagnostik zweifeln, oder aus persönlichen, ethischen oder religiösen Gründen nicht glauben, dass sie nach dem “unumkehrbaren Hirnfunktionsverlust”, wie der Hirntod auch heißt, tatsächlich tot sind. Was bedeutet der “Hirntod” eigentlich, wie wird er diagnostiziert – und ab wann denkt man an eine Organspende?

Wer sich dazu entscheidet, seine Organe nach seinem Tod zu spenden, kann damit bis zu sieben Menschen eine zweite Chance für das Leben schenken. Doch die Zahl der Spenderorgane ist um einiges niedriger, als die der benötigten Organe. In Deutschland warten mehr als 10 000 Patienten auf ein Spenderorgan, die Wartezeiten sind lang.  Doch wer wird bei der Organvergabe bevorzugt? Nach welchen Kriterien wird entschieden, wer ein Organ bekommt?

Doch nicht für jeder, der auf der Warteliste steht, findet sich rechtzeitig ein passender Spender. Die Wartezeiten für die verschiedenen Organe sind unterschiedlich.

Auch für den Empfänger ist eine Organspende nicht einfach. Neben lebenslanger Behandlung mit Immunsuppressiva und regelmäßigen Kontrollterminen, stellt der Empfang einer postmortalen Organspende auch seelisch eine große Belastung dar. Das Wissen, nur durch den Tod eines anderen Menschen weiter zu leben, ist oft nur schwer zu ertragen. Umso wichtiger ist es, dass dieser Mensch sich bewusst und aus freien Stücken für eine postmortale Organspende entschieden hat. Vor allem deshalb ist es wichtig, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, eine Entscheidung zu treffen und sie zu dokumentieren. Denn sonst stehen die Angehörigen im Sterbefall alleine vor dieser schwierigen Frage.

Seit 2010 hat die Organspendebereitschaft in Deutschland stark abgenommen. Das hängt auch mit den Wartelistenskandalen von Göttingen und Regensburg zusammen. Viele Menschen sind verunsichert und haben das Vertrauen in das Organspendesystem verloren.

Infotelefon Organspende
Das Infotelefon Organspende ist eine gemeinsame Einrichtung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der DSO. Ein qualifiziertes Team beantwortet Fragen rund um das Thema Organspende und Transplantation. Das Team des Infotelefons nimmt auch schriftlich unter infotelefon@organspende.de Bestellungen an.
Telefon: 0800-9040400 (gebührenfrei)

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